Weil ich gestern zufällig drauf gestoßen bin, und weil sich in diesen Tagen mein Website-Debüt zum 10. Mal jährt, stelle ich hier doch einfach mal meine allererste Website vor
Mit aktuellen Webprojekten prahlen kann ja jeder, aber wer kann schon eine Website vorweisen, die seit 10 Jahren praktisch unverändert im Netz steht?
Ich war ehrlich gesagt selbst etwas verblüfft daß es die immer noch gibt, denn was damals vielleicht noch state-of-the-art war, gilt heute wohl eher als Retro-Look.
Aber vielleicht war die Villa Kunterbunt einfach so gut, daß sie bis heute keiner ändern wollte (oder konnte).
Es war also anno 1999 als mich die Freundin eines Kumpels darauf ansprach, ob ich nicht eine kleine Website für den Kindergarten bauen kann, schließlich würde ich mich ja mit Computern auskennen und so
Mit Websites hatte ich damals allerdings nicht viel am Hut. Programmiert habe ich zwar bereits seit meinem 12. Lebensjahr, auch mit Hardware kannte ich mich aus, und bis kurz zuvor verweigerte ich erfolgreich Microsoft Windows und arbeitete noch unter MS-DOS. Internet war damit aber nicht ganz so spannend, so daß ich zwangsläufig auf Windows 98 umgestiegen bin mitsamt diesem damals noch furchtbaren Office-Kram (und der nervigen Büroklammer).
MS Word war es auch, mit der die Rohfassung entstand, wobei ich dann schnell mit Frontpage weitergearbeitet habe, Word war damals schon nicht für seine HTML-Spezialität bekannt.
So entstand dann nach und nach und auch relativ schnell eben besagte Website. Wie man an den Fotos erkennen kann, waren Scannen und Bildbearbeitung auch noch keine Spezialgebiete von mir…
Eingebunden hat das dann damals der Webmaster der Gemeinde. Wenn ich mich noch recht erinnere auch auf irgendeiner Subdomain (Arcor?).
Der findige Beobachter erkennt schon darin die Weichenstellung in Richtung SEO — Keywordoptimierter Title, H1-H3, Alt-Texte, tabellenloses Layout, Anchor-Links *hrhr*
Gut, Google hatte damals noch ein Lego-Gehäuse, Webspace wurde in D-Mark bezahlt und nur die Geeks wußten was eine Suchmaschine ist, und die hieß damals Altavista — aber nomen est omen
Ich hatte Blut geleckt. In den folgenden Monaten stieg ich tiefer in die Materie ein, las masochistischerweise SelfHTML als Buch von der ersten bis zur letzten Seite (so spannend wie der Duden), baute weitere Seiten, gründete 2001 ein Gewerbe (damals noch für “Webdesign”) und vertiefte mich irgendwann dazwischen immer mehr in die an Bedeutung gewinnenden Suchmaschinen. Nie vergessen werde ich auch als ich 2004 das Thema “Suchmaschinenmarketing” für meine Diplomarbeit beantragen wollte, und die Professoren das als uninteressant ablehnten. Time goes by
Jedenfalls ein lustiger Fund. Wie sieht eure erste Website aus? Habt ihr auch noch welche seit Jahren Unveränderte herumliegen? Laßt mal die Hosen runter
Offiziell geht es also hauptsächlich um die Anhebung Trust, Authority, PageRank *gähn* und das übliche PR-Blahblah von Seiten Google.
Interessanter ist aber der Zeitpunkt der ersten Thematisierung, denn die lag etwa gute 4 Monate vor dem beschriebenen “Sprung” der Keyworddomains. Kaum vorstellbar, daß Google eine so lange Zeit benötigt zwischen halboffizieller Bestätigung und tatsächlichem Update. Das wäre ungefähr so, als ob das übernächste PageRank-Update bereits vor dem Nächsten angekündigt wird
Ich hab mir dazu auch willkürlich sowohl einige Marken– als auch Keyworddomains angeschaut, und ehrlich gesagt sehe ich hier auch keine Korrelation. Vielmehr sehe ich bei Markendomains häufig einen Knick zwischen dem 19. und 26. Mai, was für mich eher für eine leichte Abschwächung bzw. Korrektur des Brandbonus spricht (was man bei Google ja häufig nach einschneidenden Updates beobachten kann). Umgekehrt konnte ich bei Keyworddomains jetzt keinen generellen Sprung Ende Juni beobachten, was nach der Theorie ja sonst fast schon zwangsläufig sein müsste.
Hauptsächlich das spricht für mich wenig dafür, daß die Bevorzugung von Keyworddomains quasi eine Art Nebeneffekt eines Markenbonus ist.
Aber betrachten wir mal zunächst, woran Google denn überhaupt eine Markendomain als Solche erkennen könnte, wenn sie denn diese schon im Ranking bevorzugen möchten:
Ganz klarer Fall: die Markenregister. Diese dürften Google wohl mit Sicherheit zugänglich sein, und mit ziemlicherSicherheit auch (zumindest experimentell) genutzt werden. Lassen wir mal reine Internet-Brands außen vor, bei denen Marke = Domain ist, so könnte Google eine Suchanfrage zu einer Brand also durchaus von einer generischen Suchanfrage unterscheiden.
Aber auch die Struktur einer Suchanfrage: Brandspezifische Suchanfragen erfolgen nicht in Form von “Brand”, sondern auch häufig mit “Brand + Keyword”, oft auch mit “Brand + Keyword + Artikel/Modell”.
Um mal ein konkretes Beispiel zu nennen: Die Marke “Nokia” hat nicht nur Suchanfragen nach “Nokia”, sondern auch nach “Nokia Handy”, “Nokia Handy N85”, “Nokia N85” usw.
Im Anbetracht des repräsentativen Datenmaterials das Google zur Verfügung steht, sollte es auch einem durchschnittlichen Statistiker möglich sein, hieraus Brand-Suchanfragen, und letztlich relevante Brands zu extrahieren.
Im direkten Vergleich dazu sind generische Suchanfragen nach “Handy N85” u. Ä. nämlich verschwindend gering. Kinderfasching für Statistiker also. Folglich muss “Nokia” auch markennahe Qualität haben, und die zugehörigen Domains wohl auch entsprechend Markencharakter.
Es gibt noch weitere Möglichkeiten und Indizien Marken, bzw. Markendomains eindeutig als Solche erkennen zu können (und von generischen Keywords zu unterscheiden), ich habe ehrlich gesagt kaum Zweifel daran, daß Google nicht das Know-How dazu hätte, und wenn ein Bedarf bestünde, dieses auch auf den Index anwenden könnte.
Wer sich wie ich sehr viel mit der Google Universal Search auseinandersetzt weiß daß Google inzwischen sehr gut darin ist zu erkennen, was denn der User eigentlich sucht. Sprich: die Voraussetzung für die Google Universal Search überhaupt ist ein Algorithmus der intelligent den eigentlichen Userwillen erkennt. Ich erwähne dies häufiger auf meinen Vorträgen, aber irgendwie scheint das noch nicht allen so recht bewußt zu sein.
Beispiel: wer nach einer öffentlichen Person sucht, der bekommt i. d. R. Universal-Search-Ergebnisse mit News, Bildern und Videos, wer ein Produkt sucht Shopping-Ergebnisse und Video-Ergebnisse usw.
Auch dies ist jetzt keine Raketenwissenschaft, sondern vielmehr intelligente Statistik und Marktforschung. Und wenn Google schon so gut darin ist, den Userwillen zu erkennen, wie können sie dann so doof sein und eine Brandanfrage nicht von einer Keywordanfrage zu unterscheiden?
Meiner Ansicht nach spricht Vieles für eine ganz unspektakuläre Bevorzugung von klassichen Keyworddomains als Solche. Doch warum überhaupt?
Die Klickrate: Google dementiert dies ja meist nach wie vor, oder kommentiert es zumindest nicht konkret, aber gerade meine Erfahrungen aus den Google Spezialsuchen zeigen, daß die Click-Through-Rate in den Suchergebnissen auch ausgewertet wird und (zumindest indirekt) in den Algo mit einfließt.
Denn: Keyworddomains haben i. d. R. meist eine höhere Klickrate im Vergleich zu Nicht-Keyworddomains. Die Gründe sind unterschiedlich, Syntax-Highlighting spielt sicherlich mit eine Rolle.
Die Knappheit: Wirkliche Top-Keyworddomains (unter den Top-TLDs) sind seit Jahren längst aufgeteilt bzw. registriert. Entsprechend hoch sind die Preise. Wer also so viel Geld für eine Domain ausgibt, der kann es sich gar nicht leisten darunter eine minderwertige Qualität abzuliefern. Ein rein marktwirtschaftliches Prinzip also, das auch für Google Sinn machen würde, auch wenn man in Mountain View gerne den Sozi von Nebenan markiert.
Die Usererwartung: unter einer Keyworddomain erwartet ein User einfach fundierte Infos genau zum gesuchten Thema. Auch für einen Website-Betreiber würde es wenig Sinn machen unter einer Reise-Domain Polstermöbel zu verticken. Sprich: der Name ist meist auch Programm. Wenn der Durchschnittsuser diesen Standpunkt vertritt, dann muss das auch Google tun.
Auch ein paar andere Punkte sprechen gegen die Markentheorie:
Kulturelle Anpassung: hauptsächlich beobachtet wurde der Anstieg von .com-Domains. Nun ist es zwar so, daß insbesondere in Deutschland die .de-Endung historisch gewachsen ist, inzwischen aber eine deutlich breitere Annahme von länderunabhängigen Domains — insbesondere .com — als “angenommen” betrachtet werden kann. Es wäre also “nur” eine reine Anpassung an die Gewohnheiten der User.
Der Zeitraum: die von Dominik beschriebenen Effekte traten nach ca. 1 Jahr ab Projektierung ein. Nun, diese erste Jahr ist genau das was ich häufig bei neuen Projekten beobachten kann, vielleicht vergleichbar mit dem “Newbie-Bonus” — nur eben andersrum Von daher sind die Beobachtungen vielleicht auch nicht ganz repräsentativ.
Noch kurz vielleicht ein Wort zur Diskussion über die Bindestrich-Domains:
Auch hier muss man vielleicht auch einfach mal kurz über den eigenen Tellerrand schauen. In kaum einer Sprache sind Bindestriche so häufig vertreten, wie in der Deutschen, v. A. seit der Rechtschreibreform. Im Amerikanischen hingegen (dieses komische Land wo die Google-Entwickler und die meisten Inhouse-Linguisten sitzen) steht häufig ein Leerzeichen zwischen einzelnen Wörtern, bei Domains hat sich häufig die zusammengesetzte Variante durchgesetzt (US-Amerikaner kennen sowas z. B. auch von Telefonnummern die man sich über die Ziffernbelegung der Tastatur merken kann — wie etwa fiktiverweise “2874375464” für “BurgerKing”, ein Schema das sich in Europa nie wirklich durchgesetzt hat).
Genau diese Gepflogenheiten zwingen einen Suchmaschinenbetreiber natürlich dazu, Einzelwörter auch aus Zusammenschreibungen zu extrahieren, was letztlich natürlich auch diesen Domains zugute kommt und mit Sicherheit die Bindestrich-Domains eher weniger berücksichtigt. Es könnte letztlich also auch nur eine verbesserte Wortextrahierung sein, die solche Domains gleichwertiger mit den Bindestrich-Domains (wo ja die Worterkennung nicht allzu schwer sein dürfte) setzt.
Im Übrigen hab ich mir mal testhalber auch ein paar Keyword-Domains registriert (obwohl ich die eigentlich als alter Werber furchtbar finde), und kann Ähnliches bestätigen. Nur an den Zusammenhang mit dem Brandbonus, an den glaub ich nicht. Ich gehe von ganz stinknormaler Anhebung von Keyworddomains im Generellen aus.