24/7 — Der Wochenrückblick (KW 43/07)
Die vergangene Woche könnte man getrost als die Google-PageRank-Woche bezeichnen. Soviel Wirbel, PR (Public Relations) und Aufsehen erfuhr der grüne Balken in der Branche nicht mehr seit seiner einstigen Erfindung durch Google-Mitbegründer Larry Page. War für ein Schachzug!
Während der PageRank an unzähligen Stellen für tot erklärt wurde, nachdem das erwartete Update monatelang ausblieb, bereitete man in Mountain View offenbar diese eine Woche vor, die der Linkhandelsbranche einen schweren Schlag versetzen sollte. Google macht ernst, und sie tun es schrittweise. Während den großen Linkkäufern und –verkäufern bislang lediglich der PR gestutzt wurde, hat sich an deren Ranking offenbar noch nichts merklich verändert. Ich sage ja schon lange, daß Google sein wichtigstes Marketing-Instrument nicht sterben lassen wird, im Gegenteil — man paßt es einfach aktuellen Diskussionen und Entwicklungen an.
Ich gehe davon aus, daß dies der letzte dicke Warnschuß vor den Bug gewesen sein dürfte, dieses Mal noch mit Platzpatronen. Laut geknallt hat’s trotzdem, beim nächsten Mal wird wohl scharf geschossen werden. Nämlich dann, wenn die automatische Erkennung von gekauften Links in den Ranking-Algorithmus einbezogen wird. Momentan setzt Google möglicherweise noch eine Gnadenfrist, denn sie wissen, daß sich danach die SERPs in einigen Bereichen auf den Kopf stellen werden, oder aber die Erkennung ist noch nicht genügend ausgereift. Ich verwette ein Paar getragene Socken, daß die Erkennung spätestens zum Hauptweihnachtsgeschäft — zumindest in Teilen — implementiert werden wird. Schließlich möchte man das Budget für die gekauften Links lieber in den AdWords-Konten sehen, also schon aus wirtschaftlicher Sicht würde eine kurzfristige Einbindung Sinn machen.
Sei’s drum, Google wird jedenfalls seine Interessen in diesem Bereich weiterhin konsequent verfolgen, das dürfte jetzt jedem bei einigermaßen Verstand klar sein.
Es wurde soviel darüber gebloggt und geschrieben, von daher beschränke ich mich auf die wichtigsten Meldungen zum PR-Update:
- Natürlich die vorangehende manuelle Herabstufung bei einigen bekannten Linkverkäufern…
- …sowie das eigentliche PageRank-Update.
- Robert Basic bekräftigt seine mutige Einstellung zum Thema PaidLinks.
- Auch Mediadonis hat einen interessanten Beitrag dazu veröffentlicht.
- Johannes zeigt Statistiken zur neuen PageRank-Verteilung deutscher Domains und die letzten deutschen 8er.
- Während Gerald seine Liste an die letzten 10er anpaßt.
Eigentlich schade, daß das Thema PageRank diese Woche so stark dominierte, es sind auch noch einige andere nennenswerte Dinge passiert:
- In München fand der Internet World Kongress statt. Ich war nicht dabei, aber bei Baynado gibt’s dafür ausführliche Berichte und Videos.
- Microsoft beteiligt sich mit 240 Millionen US-Dollar an Facebook. Wer jetzt glaubt, Microsoft würde damit zumindest eine Sperrminorität halten, täuscht sich. Der ganze Batzen Geld reicht für gerade mal 1,6%, was die Gerüchte über einen vermeintlichen Unternehmenswert der Social Community von unvorstellbaren 15 Milliarden $ bestätigen würde.
In meinen Augen wird hier wieder derart viel Geld verbrennt und die Blase des Web 2.0 wächst ins Unermessliche. Bei Karsten Wenzlaff findet sich dazu eine wunderbare Karrikatur:

- Der deutsche Social-Bookmark-Dienst Mister Wong zieht in Anbetracht der PageRank-Herabstufungen für Linkverkäufer den Schwanz ein bei seinem erst Anfang der Woche gestarteten tagbasierten Textlink-Anzeigenprogramm Wong SL. Wie bereits schon bei Yigg stellte man unprofessionellerweise erstmal die Auslieferung der Anzeigen ohne Vorankündigung ein. Anschließend erlag man der Google-Machtpolitik und versah die Anzeigen mit dem nofollow-Attribut und senkte die Preise deutlich. Natürlich ein Quasi-Eingeständnis, daß man zunächste auch am lukrativen Linkhandel teilhaben wollte, und weniger auf das reine Anzeigengeschäft fokussiert war, sich letztlich aber dank der jüngsten Google-Show doch noch auf Letzteres besinnte. Weiter versah man populäre Kategorien mit nofollow und plant eine Funktion zur Meldung von Bookmark-Spam.
- Das Marktforschungsinstitut GfK veröffentlicht zusammen mit der Agenturgruppe Robert & Horst eine neue Studie zu “Alternativen Werbeformen”. Demnach darf sich insbesondere der bereits schon starke Bereich der Videoclips auf weitere starke Wachstumsraten einstellen.
- Wohingegen Google mit dem Konkurrenten A. C. Nielsen eine langfristig orientierte Partnerschaft eingeht.
- Das Aussehen von AdSense-Anzeigen soll sich künftig auch zentral über die Kontoverwaltung steuern lassen.
- Und bei Google AdWords lassen sich künftig detailliertere Informationen zum eigenen Quality Score abrufen.
- Amazon bekommt ein fragwürdiges Patent für Suchbegriffe am Ende einer URL zugesprochen.
- In Deutschland zwar unter ferner liefen — dennoch fuhr Ask.com offenbar erneut ein Update seines Index.
- Mozilla schläft weiterhin mit Google — schließlich finanzierte das Open-Source-Projekt einen Großteil der 66 Millionen US-$ über Google. Gefährlich wie ich finde, gerade bei Open Source. Beiß nie die Hand die dich füttert. Nicht umsonst ist die Google Suche, noch prominenter als Live Search im Internet Explorer, im Firefox integriert.
- Die Entfernung des Werbeblogger-Blogs aus dem Google-Index lag wohl an einem Hack und heimlich untergeschobenen versteckten Links. Zeigt natürlich auch wie wichtig es sein kann gerade Open-Source-Software regelmäßig zu aktualisieren. Inzwischen sind sie ja wieder im Index und erfreuen sich bester Gesundheit.
- Blogfever beendet sein Gewinnspiel für geworbene Blogs. Glückwunsch an die Gewinner GoogleWatchBlog, Baynado und den Datenschmutz-Blog.
- An dieser Stelle verweise ich noch an eine kurze Umfrage über Google von Carsten Pietzsch im Rahmen seiner Jahresarbeit. Wäre nett wenn der ein oder andere daran teilnehmen würde, ich weiß noch aus Studententagen wie schwer es ist entsprechende Daten erfassen zu können.
Und wie heise uns diese Woche alle zum Narren gehalten hat
:
- Der Google Brain Bot.
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Ein Kommentar
1.
Google goes social » Social Commerce, Allgemein » sumaphil.de schrieb am 02. November 2007 um 12:45
[…] machen, und könnten perfekt in eine bestehende Plattform integriert werden. Da könnte der vermeintlich unbedeutende Einkauf Microsofts letztlich zum Problem […]