02. November 2007

Google goes social

Zumin­dest was die Ent­wick­lung der OpenSocial-Plattform von Google angeht. Vom Prin­zip her geht es darum, daß Platt­for­men wie z. B. Face­book über offene Schnitt­stel­len es Ent­wick­lern ermög­li­chen, eigene Appli­ka­tio­nen für das Netz­werk zu ent­wi­ckeln, die User anschlie­ßend ein­bin­den kön­nen. Das Pro­blem bis­lang war, daß diese Anwen­dun­gen nicht platt­for­mu­n­ab­hän­gig waren, und für andere Platt­for­men wie z. B. MyS­pace wie­der ange­passt wer­den muß­ten. Open­So­cial (Code­name: Maka-Maka) soll als zen­trale API platt­form­über­grei­fende Ent­wick­lun­gen ermög­li­chen, die so in alle Platt­for­men uni­ver­sell ein­ge­bun­den wer­den kön­nen. Google packt hier viel­be­klagte Pro­bleme beim Schopfe, und tut das ein­zig Sinn­volle und Nahe­lie­gende — anstatt unzäh­li­ger platt­form­ab­hän­gi­ger Markup Lan­gua­ges, basiert Open­So­cial auf den übli­chen Web-Sprachen wie HTML, Java­Script und Co. Auch Objekte wie Flash sol­len ein­ge­bun­den wer­den können.

Der Kampf um das Internet-Betriebssystem hat begonnen

Nach­dem ins­be­son­dere Face­book inzwi­schen wahn­sin­nig erfolg­reich mit der Stra­te­gie der offe­nen Schnitt­stel­len ist, zieht Google nach, und hofft offen­bar auf einen Wett­be­werbs­vor­teil durch die Schaf­fung eines mög­li­cher­weise erfolg­rei­che­ren uni­ver­sel­len Stan­dards, nicht zuletzt auch auf­grund der eige­nen Reich­wei­ten und Markt­an­teile. Open­So­cial ist bis­lang jedoch ledig­lich als eine Art Meta-Plattform kon­zi­piert, es fehlt letzt­lich eine eigene Platt­form, die als tat­säch­li­che Kon­kur­renz zu Face­book auf­war­ten könnte. Denn was hätte Google davon, wenn sich letzt­lich sogar Face­book an Open­So­cial betei­li­gen würde, das eigent­li­che Web-Portal für den User jedoch Face­book wäre, und Google ledig­lich der Daten– und Tech­ni­k­lie­fe­rant?
Die ein­zig logi­sche Kon­se­quenz wäre eine ent­spre­chende Aqui­si­tion oder eben der Auf– bzw. Aus­bau eines eige­nen Social Net­works. Für Letz­te­res kämen eigent­lich nur das Stief­kind Orkut oder eine kräf­tige Umstruk­tu­rie­rung des rela­tiv wenig ver­brei­te­ten iGoogle in Frage. Stra­te­gisch (wenn auch nicht wirt­schaft­lich) Sinn machen würde eigent­lich nur eine Über­nahme von Face­book, wie es auch die Gerüch­te­kü­che immer wie­der ver­mu­tet. Hier wäre bereits eine Nut­zer­schaft da, die mit die­ser Sys­te­ma­tik ver­traut ist, und der Haupt­kon­kur­rent wäre zugleich aus der Welt geschafft. Eigent­lich wür­den erst genau dann die Über­nah­men von Zingku und Jai­kido wirk­lich Sinn machen, und könn­ten per­fekt in eine beste­hende Platt­form inte­griert wer­den. Da könnte der ver­meint­lich unbe­deu­tende Ein­kauf Micro­softs letzt­lich zum Pro­blem werden.

Eine Platt­form, deren Markt­po­si­tion es zulässt, sämt­li­che rele­van­ten Dienste des WWW unter einem Dach zu sam­meln und zu per­so­na­li­sie­ren — das wäre tat­säch­li­che die Schaf­fung eines Web-Betriebssystems. Das Por­talge­schäft würde sich schlag­ar­tig vom klas­si­schen Push– hin zum Web-2.0-alike Pull-Marketing hin ent­wi­ckeln. Und Google könnte den Dirigenten-Stab schwingen.

Ein zen­tra­ler und per­so­na­li­sier­ba­rer Aus­gangs­punkt für Infor­ma­tio­nen, Shop­ping und Unter­hal­tung hätte mit Sicher­heit eine ent­spre­chende Reson­nanz beim User. Einige Anbie­ter wie Lin­ke­dIn, Fri­ends­ter, Plaxo, Ning, Sales­force und natür­lich Orkut sol­len bereits inte­griert wer­den, gerüch­ter­weise auch die deut­sche Network-Plattform Xing.

Am gestrigen/heutigen (in USA) Don­ners­tag sol­len unter der Adresse code.google.com/apis/opensocial wei­tere Infor­ma­tio­nen ein­seh­bar sein. Bis­lang wird jedoch nur eine Feh­ler­mel­dung beim Auf­ruf der Seite angezeigt.

Für Online-Marketer wird die­ses Thema schon sehr schnell sehr wich­tig, aber auch eine der größ­ten Her­aus­for­de­run­gen der letz­ten Jahre werden.

Update

Die Adresse ist nun erreich­bar und hat auch gleich einen eige­nen Blog ver­passt bekommen.

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2 Kommentare

1. 24/7 - Der Wochenrückblick (KW 44/07) » Allgemein » sumaphil.de schrieb am 06. November 2007 um 00:04

[…] Google begrün­det mit Open­So­cial eine Art Meta-Schnittstelle für Social Networks. […]

2. 24/7 - Der Wochenrückblick (KW 05/08) » Allgemein » sumaphil.de schrieb am 18. Februar 2008 um 02:35

[…] plant anschei­nend ent­ge­gen dem Open-Social-Hype die Ent­wick­lung einer eige­nen Ent­wick­ler­platt­form. Könnte natür­lich noch­mal ernsthaft […]

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