Google goes social
Zumindest was die Entwicklung der OpenSocial-Plattform von Google angeht. Vom Prinzip her geht es darum, daß Plattformen wie z. B. Facebook über offene Schnittstellen es Entwicklern ermöglichen, eigene Applikationen für das Netzwerk zu entwickeln, die User anschließend einbinden können. Das Problem bislang war, daß diese Anwendungen nicht plattformunabhängig waren, und für andere Plattformen wie z. B. MySpace wieder angepasst werden mußten. OpenSocial (Codename: Maka-Maka) soll als zentrale API plattformübergreifende Entwicklungen ermöglichen, die so in alle Plattformen universell eingebunden werden können. Google packt hier vielbeklagte Probleme beim Schopfe, und tut das einzig Sinnvolle und Naheliegende — anstatt unzähliger plattformabhängiger Markup Languages, basiert OpenSocial auf den üblichen Web-Sprachen wie HTML, JavaScript und Co. Auch Objekte wie Flash sollen eingebunden werden können.
Der Kampf um das Internet-Betriebssystem hat begonnen
Nachdem insbesondere Facebook inzwischen wahnsinnig erfolgreich mit der Strategie der offenen Schnittstellen ist, zieht Google nach, und hofft offenbar auf einen Wettbewerbsvorteil durch die Schaffung eines möglicherweise erfolgreicheren universellen Standards, nicht zuletzt auch aufgrund der eigenen Reichweiten und Marktanteile. OpenSocial ist bislang jedoch lediglich als eine Art Meta-Plattform konzipiert, es fehlt letztlich eine eigene Plattform, die als tatsächliche Konkurrenz zu Facebook aufwarten könnte. Denn was hätte Google davon, wenn sich letztlich sogar Facebook an OpenSocial beteiligen würde, das eigentliche Web-Portal für den User jedoch Facebook wäre, und Google lediglich der Daten– und Techniklieferant?
Die einzig logische Konsequenz wäre eine entsprechende Aquisition oder eben der Auf– bzw. Ausbau eines eigenen Social Networks. Für Letzteres kämen eigentlich nur das Stiefkind Orkut oder eine kräftige Umstrukturierung des relativ wenig verbreiteten iGoogle in Frage. Strategisch (wenn auch nicht wirtschaftlich) Sinn machen würde eigentlich nur eine Übernahme von Facebook, wie es auch die Gerüchteküche immer wieder vermutet. Hier wäre bereits eine Nutzerschaft da, die mit dieser Systematik vertraut ist, und der Hauptkonkurrent wäre zugleich aus der Welt geschafft. Eigentlich würden erst genau dann die Übernahmen von Zingku und Jaikido wirklich Sinn machen, und könnten perfekt in eine bestehende Plattform integriert werden. Da könnte der vermeintlich unbedeutende Einkauf Microsofts letztlich zum Problem werden.
Eine Plattform, deren Marktposition es zulässt, sämtliche relevanten Dienste des WWW unter einem Dach zu sammeln und zu personalisieren — das wäre tatsächliche die Schaffung eines Web-Betriebssystems. Das Portalgeschäft würde sich schlagartig vom klassischen Push– hin zum Web-2.0-alike Pull-Marketing hin entwickeln. Und Google könnte den Dirigenten-Stab schwingen.
Ein zentraler und personalisierbarer Ausgangspunkt für Informationen, Shopping und Unterhaltung hätte mit Sicherheit eine entsprechende Resonnanz beim User. Einige Anbieter wie LinkedIn, Friendster, Plaxo, Ning, Salesforce und natürlich Orkut sollen bereits integriert werden, gerüchterweise auch die deutsche Network-Plattform Xing.
Am gestrigen/heutigen (in USA) Donnerstag sollen unter der Adresse code.google.com/apis/opensocial weitere Informationen einsehbar sein. Bislang wird jedoch nur eine Fehlermeldung beim Aufruf der Seite angezeigt.
Für Online-Marketer wird dieses Thema schon sehr schnell sehr wichtig, aber auch eine der größten Herausforderungen der letzten Jahre werden.
Update
Die Adresse ist nun erreichbar und hat auch gleich einen eigenen Blog verpasst bekommen.
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2 Kommentare
1.
24/7 - Der Wochenrückblick (KW 44/07) » Allgemein » sumaphil.de schrieb am 06. November 2007 um 00:04
[…] Google begründet mit OpenSocial eine Art Meta-Schnittstelle für Social Networks. […]
2.
24/7 - Der Wochenrückblick (KW 05/08) » Allgemein » sumaphil.de schrieb am 18. Februar 2008 um 02:35
[…] plant anscheinend entgegen dem Open-Social-Hype die Entwicklung einer eigenen Entwicklerplattform. Könnte natürlich nochmal ernsthaft […]