Web 2.0 — Willkommen im Neandertal
Es scheint wie die Fortsetzung der Talk– und Gerichtsshows vom TV ins Web. Der Mob hat sein Forum gefunden. Blogs, Produktbewertungen, Videos, Mitmach-Seiten — es wird gelästert, geschimpft, gelogen, betrogen, beledigt, gedisst.
Dabei feiert die Branche sich mal wieder selbst, erklärt “User generated Content” zur Zukunft des Internet. Verbaler Müll, geistiger Dünnpfiff und Rektal-Journalismus — da bleib ich lieber im Heute.
Die klassischen Medien, inklusive des Webs, hatten bis vor ein paar Jahren über viele Jahrhunderte eines gemeinsam — sie bestimmten die Meinung der Masse. Aber sie waren nicht die Masse, sie hatten also eine Verantwortung. Eine Verantwortung, derer sich die Meinungsmacher stets bewußt waren, und deshalb auch zu allen Zeit mißbraucht wurde — auch bis heute.
Da erscheint es geradezu revolutionär, geradezu ur-demokratisch, daß es jetzt plötzlich möglich sein soll, daß die Masse ihre eigene Meinung selbst bestimmt. Millionen Meinungen also, denen ursprüngliche journalistische oder akademische Methoden wie Recherchen, Quellen und Besonnenheit ein Fremdwort sind. Es wird veröffentlicht was medial dargestellt werden kann. Von Verantwortung kann gar nicht die Rede sein, der Fleischklumpen zwischen den Ohren hält nicht mal der Rechtschreibprüfung Stand.
Einen neuen traurigen Höhepunkt fand die Möglichkeit zur Jedermanns-Selbstdarstellung im heutigen Amoklauf in Finnland. Der Täter konnte seine Hasstiraden vorab ungehindert bei YouTube publik machen, sogar ein mörderischer Kurzfilm beglückte die Video-Community. Tragödien werden zum ungefilterten öffentlichen Spekatakel, heraufprovozierte Gegen-Meinungen inklusive. Nachrichten-Portale werden zu Sekundärquellen, geordnete und recherchierte Informationen zum Beiwerk für die Bildungsschicht. Die anschließende Verarbeitung findet nicht mehr in Kolumnen, Kommentaren und Lesermeinungen statt, sondern wird in offene Schlagabtausche in Internet-Foren und Blog-Kommentare verlagert. Fäuste raus, Köpfe sind zum Treffen da.
Auch die EU hat inzwischen erkannt, daß im vielgelobten Web 2.0 gar nicht immer so viel Lobenswertes stattfindet. Sogenannte Flogs, also gefakte Blogbeiträge, vorgetäuschte Kommentare und Rezensionen zum wirtschaftlichen Wohle und Unwohle sollen künftig hart geahndet werden. Schnell wird das Gespenst der Zensur und Meinungsfreiheit heraufbeschworen. Doch dient ein solcher Müll an Verbraucherinformationen und der Meinungsverfälschung wirklich der Meinungsbildung? Guerilla Marketing beinhaltet nicht umsonst Guerilla. Es herrscht Krieg im Online-below-the-line-Marketing, geschossen wird mit Fäkal-Wattenbäuschchen bis zum kollektiven Verbraucher-Kollaps.
Doch es gibt auch die öffentlichen Verbraucher-Meinungen. Unverfälscht bieten zahlreiche Plattformen jedem Test-Laien die Möglichkeit, seine geliebten und ungeliebten Produkte und Dienstleistungen in gewohnter Legasthenie zu bewerten. Während professionelle und renommierte Insitutionen mit wissenschaftlichem Aufwand versuchen ein möglichst neutrales Meinungsbild zu schaffen, vetraut die Userschaft lieber auf öberflächliche Eindrücke anonymer Benutzer.
Blogger ohne jeglichen Hintergrund werden allein aufgrund ihrer Fähigkeit WordPress zu installieren und zu bedienen zu den Helden des zweiten Internets. Und die Suchmaschinen honorieren es. Klar, schließlich ist ein Blogger immer einer von uns. Nicht so ein studierter Journalist, der sein Handwerk über Jahre hinweg lernen mußte. Nein, Blogger geben das wider was das Volk bewegt. Die Claudias und Jaquelines der Talkshows von gestern werden zu den Pro– und Alpha-Bloggern von morgen. Das interessiert die Masse, das interessiert die Suchmaschinen, das beleidigt jedoch meine Intelligenz.
Klar, die Suchmaschinen. Da war doch noch was, das ich tägliche mache. Ach ja, stimmt, Suchmaschinenoptimierung. Ja, auch ich habe dieses Phänomen erkannt, auch ich weiß um diese Gunst von Suchmaschinen, Linkgebern und letztlich auch Usern. Auch ich baue Yigg-Buttons ein und bin so geil auf Links wie die Guppys auf die Rotschwänzige in unserem Büro-Aquarium. Google macht uns zu Linkschlampen und Trafficnutten, die eben das machen was funktioniert und was am Ende des Tages Geld bringt.
Leider brachte diese Geilheit in den jüngsten Tage bei so Manchem SEO mehr Beachtung als echte Ehr. Schließlich bringt ein Liebhaber-Blog mit lesenswerten Artikeln über den südschwedischen Grünschwanz-Buntfalter deutlich weniger Backlinks und Digg-, Yigg– und SEOigg-Punkte, als das Dissen von Kollegen.
Also zurück zum Ur-Prinzip der reinen Blog-Funktionalität, und jegliche Selbstansprüche über Bord. Um Links wird unter SEOs schließlich gebuhlt wie einst um die Blicke der koketten Blondine auf dem Schulhof. Ich werde verlinkt, also bin ich.
Ausgegangen von einem nicht ganz unbegründeten Blog-Beitrag eines Optimierers unter weiß-blauem Firmament über die Verkommung von SEO zum mißkreditierenden Allerwelts-Hobby, begannen plötzlich die Fingerzeig-Kommentare auf diesen und jenen Schreiber, der den Erfolg auch noch ausgerechnet im vielbeschworenen Web Zwonull suchte, und beim Stricken vielleicht besser auf Schurwolle als auf Theorien zurückgreifen sollte. Abstruse Kommentare und Beiträge wechselten die Feed-Reader, und am Ende haben alle an Links gewonnen — und an Glaubwürdigkeit verloren.
Weiter ging’s mit einem von mir eigentlich geschätzten Blogger, der schon vorab integriert war, und in der nächsten Kurve falsch abbog anstatt zu Bremsen. Unüberlegtheit, und eine berechnende Hoffnung auf Links verleitete ihn und weitere Blogger zum reinen Link-Selbstzweck zu verkommen.
Deutschland sucht den Superbait. In der Jury: Google, Yahoo und Microsoft. Verlinkt — und damit gefunden — werden nicht die wichtigen Informationen dieser Welt, sondern das, was am Meisten Aufmerksamkeit erregt. Wunderbare Strategie. Wir erhöhen den Traffic und reduzieren die Qualifizierung im gleichen Atemzug. Es wird viel geblasen und gespuckt, mit Medium hat das Ganze nur noch wenig zu tun.
Es erscheint geradezu als ob Henry Fords Aussage immer noch in den Köpfen herumspukt:
Wenn eine Ente ein Ei legt, dann tut sie das still und zurückgezogen in einem Busch. Wenn jedoch ein Huhn ein Ei legt, so gackert es laut und flattert herum.
Und der Erfolg? Die ganze Welt isst Hühnereier!
Doch Sozial Media Optimization — SMO — befriedigt nicht das User-Interesse, sondern dessen Neugier. Schon der Einzelhändler weiß, daß nicht Neugier Umsatz generiert, sondern echtes Interesse.
Aber Neugier bringt uns wieder zurück auf die Bäume. Zumindest auf die mit Blick zum Nachbars-Schlafzimmer. Immerhin ist es interessanter über dessen Bettwäsche zu lästern, als die Eigene zu verkaufen. Das bringt Traffic, das bringt die Neandertaler, aber das bringt keine Kunden.
Genau genommen ist auch dieser Beitrag eine neandertalische Brautschau, inkl. Yigg-Prostitution. Jeder Link, jede Yigg-Stimme führt diese Diskussion ad absurdum. Also zu was soll ich aufrufen? Nofollow-Links? Yigg-Button ignorieren? Steht mir das als Index-Schlampe überhaupt zu, schließlich bewege ich mich auf demselben Terrain? Natürlich, auch ich teste und prüfe diverse virale Möglichkeiten, ich bin ja kein SEO-Demagoge.
Und doch habe ich bewußt auf Links in diesem Beitrag verzichtet, noch mehr Öl im Feuer muß nicht sein.
Oder wie es Faust gesagt hätte:
Da steh’ ich nun, ich armer Thor, und bin als klug als wie zuvor.
Also was ist das Fazit der Erkenntnis? Zumindest die verantwortungsvolle Aufgabe der Suchmaschinen wird es sein, Inhalte nicht nur aufgrund von äußeren Begebenheiten (Links, HTML-Code usw.), sondern letztlich auch nach Qualitätsprinzipien zu beurteilen. Und eben nicht jeden Blog oder offensichtlichen Linkbait in die Top 10 zu spülen. Nicht der Stärkere sollte zählen, sondern der Bessere.
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16 Kommentare
1.
Baynado schrieb am 08. November 2007 um 02:35
Sehr schön geschrieben und mit viel Wahrheit im Text.
2.
chrizz schrieb am 08. November 2007 um 09:14
ohja… dieser text hat viel wahres. Ursprünglich dachte ich auch, dass das Web2.0 die absolute megamäßige Erfindung ist. Klar, es ist zwar immernoch ne feine Sache, da du u.a. direkte Interaktion bietest, aber wie das so ist, jede positive Erfindung wird früher oder später auch missbraucht. Das liegt irgendwie in der Natur des Menschen…
cheers
3.
AndreasB schrieb am 08. November 2007 um 10:06
Sehr gut. Der Artikel hat mich an die eine oder andere Geschichte der letzten 4 Jahre erinnert. Jedoch glaube ich nicht das Claudias und Jaquelines zu den Pro– und Alpha-Bloggern von morgen werden, da sie niemals in der Lage sein werden, WordPress zu installieren, geschweige denn es schaffen, es täglich zu upgraden
4.
Martin Helman schrieb am 08. November 2007 um 10:38
Der Mehrheit der Menschen bevorzugt aber nunmal diese Brandbandlästerei. Das Internet ist ein Zusammenschluß aller Computer weltweit und das Multimediale Zeitalter verbindet dadurch eben nicht nur die Elite.
Web 2.0 ist ein Modewort, dass nichtmal eine technische Grundlage besitzt. “Mit-Mach-Web” gabs schon immer. Uralte Commandozeilen Chats lebten ja auch schließlich nur von dem Inhalt, den die Benutzer veröffentlich haben.
Vielleicht sollte man, statt über die Struktur der Internets heute zu raunen, einfach einen Warnhinweis an jedes Modem kleben, mit der Aufschrift:
“Sie betreten den virtuellen Spiegel der Menschheit — erwarten Sie nicht zuviel”
Es gibt gute Tierfilme, aber was gucken die Meisten? Soap!
Es gingen schon seit jeher mehr Menschen in die Arenen, als sie Dichtern und Philosophen lauschten.
Ich persönlich finde Webseiten viel lebhafter, die fröhlich die deutsche Sprache vergewaltigen, als jene — die mir trockene Texte und Abhandlungen á la Schulbuch präsentieren.
Ich glaube auch, dass die Zeit der Online-Suchmaschinen bald abläuft und Onboard-Software diese Aufgabe übernehmen
wird.
So long!
5.
CommentsPlz schrieb am 08. November 2007 um 12:57
Ich bin nicht der Meinung das die “Suchmaschinen” die Qualität im Web finden(oder zurück bringen (wars schon mal da?) können)
Die Suchmaschinen betreiber könenn lediglich verschiedene Such alogorithmen auf die Seiten im Netz anwenden.
Und wie gut oder schlecht die Seiten im Netz dann gekennzeichnet sind hängt von ihreren Usern / ggf. Betreibern ab.
Nicht aber von den Suchmaschinen betreibern.
Weswegen auch google’S Social API sinn macht gegen über Microsofts kauf von Facebook Anteilen
6.
Mob schrieb am 08. November 2007 um 13:18
Was regst du dich auf? Du musst keine Blogs lesen, wenn sie dich nicht interessieren. Außerdem: Es ist schon eine Errungenschaft, wenn Leute im Internet überhaupt lesen, statt youporn zu gucken.
Guter Journalismus setzt sich sowieso langfristig durch. Dass durch durch alle Hobby-Reporter und Freizeit-Meinungsmacher Konkurrenz entsteht, muss nicht schlecht sein. Als “ausgebildeter Journalist” muss man eben nur bessere Qualität und interessantere Texte bieten.
SEO: Ich denke, wenn es ein Privat-Blogger schafft, vor die Nachrichtenportale bei Google zu kommen, darf er es als Erfolg für sich verbuchen. Denn eins ist sicher: Das Budget für Seo dürfte bei den Nachrichtenportalen um ein vielfaches höher liegen.
7.
Marc schrieb am 08. November 2007 um 21:49
Sehr gut geschrieben aber nur zum Teil wahr.
Wer früher dummes TV inkl. Nachmittags-Talkshows usw. geschaut, wird dieses Verhalten eben einfach aufs Netz übertragen. Allerdings kann man im Gegenzug natürlich auch ähnlich viele wertvolle Beiträge finden.(Leider muss man sich dazu manchmal durch Müll wühlen — aber das war ja früher zum Teil auch nicht anders.)
Kurz gesagt: die Dummen werden Dümmer, weil sie sich mit nichts mehr beschäftigen müssen, dass die Grauen Zellen allzu sehr erhitzt aber mit ein wenig Verstand und dem nötigen Willen (manchmal fehlt das Aine oder das Andere) kann man ebenso von der neuen Technik profitieren.
Was aber in Zukunft mehr gebraucht wird sind Filter Tools, die nicht nur Benutzer, sondern ganze Themen ausschliessen. (existiert ja sicher schon auf einigen Plattformen, oder? Bin technisch nicht völlig firm)
So könnten ich zum Beispiel “Britney, Paris Hilton, Bohlen” eintippen und müsste so gut wie niemals mehr über diesen Bedeutungslosen Schwund erfahren.
gibt die Hoffnung nicht ganz auf,
Marc
8.
Paranoid Chesus schrieb am 10. November 2007 um 01:16
Ne ne ne. Sorry, aber dem kann ich wirklich nur arg ansatzweise zustimmen. Klar ist das Web voll mit Müll, aber es ist nur ein Spiegel der Gesellschaft und Web 2.0 gibt es nicht.
Das Web hat immer schon von Usercontent gelebt. Von was auch sonst? Wäre es Dir lieber, es gäbe nur SpOn, Focus und die TAZonline und alle drängen sich in ihren zugehörigen Foren, um die von der Obrigkeit, dem von Dir so hochgelobten “ausgebildeten Journalismus”, der tagtäglich einen Dreck nach dem anderen produziert, zu kommentieren? Web 2.0 ist eine leere Phrase. Es existiert nicht. Das ist das Netz und die Menschen plus ein paar populäre CMSs.
Da sind mir Blogger und private Websitebetreiber, die sich meist auf ein Spezialgebiet, von dem sie dann wenigstens auch Ahnung haben, deutlich lieber. Die Leute, die Du da ansprichst, das sind meiner Meinung nach die Spinner und Schmalspurdenker, die es sowieso gibt und deren Zielgruppe immer die gleiche sein wird; eine meinetwegen breite Zielgruppe, aber keine wichtige, da selbige sowieso zu dämlich zur objektiven Meinungsbildung ist und gar nicht erst fachlich versierte Meinungen sucht, sondern unterhalten werden will. Daß die sich dann an manchem festklammern, egal wie dämlich es ist, das ist nichts neues und entspricht ihrer sowieso beschränkten Denkweise.
Ein paar Beispiele wären da durchaus noch angebracht gewesen. Zeig mir doch mal bitte ein paar relevante(!) Suchbegriffe, bei denen irgendwelche Deppen unter den Top10 stehen; gerne natürlich auch mit h**p davor, weil man es nicht unterstützen mag. Selbst wenn sie es mal ein paar Tage lang schaffen, so bleibt letztlich nur Qualität bestehen und erreicht höhere Besucherzahlen.
Daß da oftmals mit “unlauteren Mitteln” um jedes Treppchen zum Sieg gekämpft wird, oder auch unüberlegter Mist ins Internetz gesetzt wird, ja, dem stimme ich zu, aber wie gesagt, sowas bleibt zum einen meist nicht lange und die Vielfalt der Menschen, die ihr Fachwissen mit Anstand, Hingabe und hoher Präzision veröffentlicht, die ist es wert, ihre Erzeuger haben nur schlichtweg genau durch die angesprochenen Content Management Systems wie WordPress endlich die Möglichkeit, ihre Infos leicht verfügbar zu machen und bieten somit einen wichtigen Gegenpol zur Mainstreaminfo.
Klar kann mittlerweile jeder seinen Mist ins Web rotzen und das SEOtechnisch auch ein wenig pushen, aber mir wären entweder kaum bis keine Beispiele für solche Leute bekannt, die dann auch wirklich an die Spitze des Eisbergs namens Google kommen und Meinung bilden, oder aber ich bin nicht deren Zielgruppe. Ganz so schlimm ist es dann doch nicht.
Was ich aber noch zum Thema SEO und Dir, bzw Deinem Blog sagen muß: Sorry, aber das ist mal nicht sonderlich überzeugend. Allein 68 wirklich laut schreiende Fehler im Tidy, keine Keywords, einen langen, ungegliederten und überschriftslosen Text und nur so nebenbei einen Titel, der quer ins Layout reinragt. Der Sinn einer Description ist es im übrigen auch nicht, einfach den Einleitungssatz reinzupasten. Über die drei Fehler im CSS mag ich mal nicht so laut schimpfen.
Ich frage mich allerdings wirklich, wie es dieser Artikel zu yigg geschafft hat, da er meiner Meinung nach nahezu auch nur aus Polemik einmal querbeet besteht. Da gibt es weiß Gott zehnmal bessere Web 2.0-Dissereien. Aber ok, damit hätten wir also schonmal ein Beispiel. ;p
Nichts für ungut.
9.
mike schrieb am 10. November 2007 um 03:58
Gut gebrüllt, das schafft es jetzt mal unbesehen in meinen Feedreader. Ich mag Deine Schreibe, wenn Du auch kilometerweit am Ziel vorbeischiesst. (siehe Kommentar über meinem)
Zur Realitätssynchronisation empfehle ich, mal SpOn eine Woche zu lesen, und die Geschichte mit den *würg* “journalistische oder akademische Methoden wie Recherchen, Quellen und Besonnenheit” oder “Verantwortung” und die ganzen pseudojournalistischen Phrasen bezogen auf den “herkömmlichen” Joaurnalismus zu überdenken.
Btw für’s näxte Mal in der Richtung:
“der Fleischklumpen zwischen den Ohren hält nicht mal der Rechtschreibprüfung Stand“
und:
“renommierte Insitutionen“
sind so Dinger die nicht wirklich zusammenpassen, da würde ich einen Browser aus der Gecko-familie empfehlen, die unterstreichen solche Peinlichkeiten vor dem Abschicken.
Ansonsten; weiter so, wird was draus, gerne etwas fundierter beim nächsten Mal. *schulter klopf*
Ach noch was aus reinem Interesse so zwischen Web-techniker und Seo-kas-dingens: Dass das Datum innerhalb Heading-1 ist, bringt bei Sumas irgendeine Relevanz? Und wenn ja, wo bekomme ich da mehr Infos dazu?
10.
kralle schrieb am 11. November 2007 um 01:55
Ei, da hab ich ja was losgetreten. Eine richtige Diskussion hätte ich ehrlich gesagt nicht erwartet, ich freu mich dafür umso mehr darüber.
Zunächst einmal möchte mich mich bedanken bei allen Lesern, Kritikern und Zustimmern, öffentlich und nicht-öffentlich, hier um Blog, und dort bei Yigg.
Ich werde einige der angesprochenen Punkte gesammelt beantworten, es waren — die Dikussion auf Yigg eingeschlossen — einige. Und es waren einige schöne Perlen dabei
Zur Definition des “Web 2.0″
Natürlich, einige von euch haben recht, der Begriff läßt sich nicht exakt definieren, das wußte auch schon Tim Berners-Lee. Web 2.0 ist ein Buzzword, allerdings umschreibt es eben aktuelle Entwicklungen, die man in etwa mit dezentraler Informationsverbreitung und Vernetzung beschreiben könnte, weniger aufgrund rein technischer Grundlagen, obwohl bestimmte Software sicherlich mit dazu beigetragen hat.
Und natürlich gab es das auch schon vorher (IRC-Chats, Gästebücher, Internet-Foren usw.), war allerdings weitgehend den “Geeks” (noch ein Buzzword) vorbehalten, wohl auch aufgrund technischer Hürden, informationellem Mangel und fehlender Massenverbreitung von Internetzugängen.
Und freilich hätte ich auch noch andere Beispiele erwähnen können wie die VZs, Gesichtsbücher, Klings, Bings und Dings dieser Welt, die sich selbst von echter Knüpfung sozialer und geschäftlicher Kontakte hin zum Online-Straßenstrich degradieren. Ich habe schon soziale Kontakte geknüpft im Netz, diese Plattformen haben bislang aber nur meine Zeit verschwendet.
Zum Web 2.0 Allgemein
Manche haben in Teilen falsch verstanden um was es mir ging. Es ging mir nicht um die generelle Abrechnung mit den Bloggern und Communities dieses Universums. Ich nehme auch teil in dieser Welt, nicht zuletzt mit diesem Blog, aber ich sehe eine massive Fehlentwicklung. Und damit habe ich quasi “abgerechnet”. Manchmal muß man sich Luft machen und auf den Tisch hauen.
Zu den “Claudias” und “Jaquelines”
Freilich, letztlich ist auch das Web nur der Spiegel einer Gesellschaft. Oder wie es Martin Helman so schön kommentierte:
Also was jetzt? Hände auf den Schoß und akzeptieren, daß das Volk sich jetzt selbst verdummt? Ich brauche kein intellektuelles Elite-Medium, ich unterhalte mich auch gerne. Aber daß die Güllegruben des Internets das ohnehin schon gesunkene Niveau der Klassischen Medien ins Unterirdische sinken lassen, das muß wenigstens kritisiert werden. Hier wird der Hype zum Selbstzeck ohne Nutzen. Meine Lebensqualität hat sich wesentlich durch das Alte Internet verbessert, das Neue vergeudet in weiten Teilen nur meine Zeit. Klassische Medien hatten wenigstens die Möglichkeit etwas zu bewegen, auch Situationen (politisch und sozial) zu verbessern — natürlich nicht immer — das Mitmach-Web lebt doch nur in sich selbst und für sich selbst. Ohne Ziele, ohne Visionen und ohne Selbstanspruch. Was Social Communities sozial macht ist nur deren Bezeichnung. Es findet keine Problembewältigung echter sozialer Probleme statt, sie werden lediglich zelebriert.
So sehr es auch so manchem Individualisten widerstreben mag, eine Gesellschaft — online und offline — braucht eine gewisse Führung, die Entwicklungen in eine bestimmte Richtung lenkt. Wir brauchen ja auch eine Regierung, mir ist noch keine Anarchie untergekommen, die für einen allgemeinen Wohlstand sorgen konnte. Hierzu gehören unbequeme Entscheidungen und besonnene Führung. Auch in den Medien. Nicht in Form von Zensur, aber in Form von gewählter und durchdachter Berichterstattung.
Zu meiner Wortwahl
Nun, ich denke ich habe niemanden beleidigt, aber diejenigen erreicht, die ich erreichen wollte. Ich nehme kein Blatt vor den Mund, aber ich weiß immer noch um einen gewissen Respekt. Hätte ich diesen Artikel nicht provokativ geschrieben, sondern langweilig und honigumsmaulschmierend, hätte nicht einer Notiz davon genommen, eine Diskussion hätte nicht stattgefunden. Im Übrigen ist das eben meine Art. Ehrlichkeit tut auch manchmal weh. Und zwar auch ohne Persönlich zu werden. Davon sollte sich manch einer eine Scheibe davon abschneiden.
Und wie gesagt — ich wollt niemals das komplette Web 2.0 in Mißkredit bringen, aber eben das kritisieren was absoluter Bullshit ist. Und da sind blumige Worte nur kontraproduktiv. Bei der Massenzielgruppe hätte ich fürs kollektive Verständnis ohnehin noch ausfälliger werden müssen.
Ich empfinde mich dabei nicht als überheblich, aber ich definiere für mich einen gewissen Selbstanspruch. Dafür werde ich mich weder schämen noch entschuldigen.
Zur Rechtschreibung
Jaja, es wurden tatsächlich 2 Rechtschreibfehler entdeckt. Ich habe sogar noch einen Dritten gefunden. Das tu ich auch bei Zeitschriften, anderen Portalen, Produktverpackungen, ja sogar im Copy-Text von Werbeanzeigen. Bei einem ohne Rechtschreibprüfung und ohne Korrekturlesen verfassten Text zu unchristlicher Urzeit, der etwa zweieinhalb DIN-A4-Seiten füllen würde, kann ich damit leben. In der Schule wäre das vielleicht eine Viertel Note Abzug.
Wovon ich geredet habe ist der zelebrierte Analphabetismus dieser Nation, der sich in Blogs, Foren und Chats manifestiert.
Zu den Suchmaschinen
Ich habe diesen Punkt leider etwas vernachlässigt, fand aber, daß eine Vertiefung zu sehr vom eigentlichen Thema ablenken würde.
Ich kenne Suchmaschinen noch aus der Zeit, als Yahoo ein Webkatalog und Marktführer im Bereich Suche war. Ich kannte noch die Hochzeiten von Altavista und die ersten Möglichkeiten das Web tatsächlich durchsuchbar zu machen. Ich habe Google als Beta-Version und Geheimtipp kennengelernt und war begeistert, daß es nun auch endlich möglich ist, Webseiten nach qualitativen Maßstäben zu beurteilen.
Doch bei Google ist scheinbar die Entwicklung irgendwie stehengeblieben. Google wurde kopiert, kopiert, kopiert, Yahoo ging gar soweit und lieferte für einige Zeit Google-Ergebnisse aus. Keine Innovationen, seit Jahren nicht.
Google macht die Informationen dieser Welt lediglich zugänglich, von Ordnung sind wir noch weit entfernt. Von dem Tag an, wo SEO darin besteht qualitativen Content zu erstellen, von dem Tag an wäre dieser Punkt erreicht. Im Moment kann ich einen Großteil über den scmutzigsten Linkaufbau für den sinnlosesten Content erreichen wenn es sein muß, wenn auch beides inzwischen problematischer wird.
Im Übrigen fand ich den Vorschlag von Marc mit den Filter Tools gar nicht mal so schlecht. Eigentlich sollte Google die ohnehin massenweise gesammelten Userdaten genau dafür verwenden. Wobei dies dann vermutlich zu einem Zwei-Klassen-Web führen würde. Ein Selbstanspruch ans Medium wäre ebenfalls nicht gegeben. Die Katze würde sich in den Schwanz beißen.
Zu SEO
Einer der Gründe für diesen Artikel waren die Fingerzeige, die leider momentan die SEO-Szene bewegen. Bislang kannte ich solche Umgangsformen nur von Claudia und Jaqueline, jetzt muß ich sie von eigentlich sonst gefestigten SEOs lesen. Als Profi sollte man da drüber stehen, mich regen Unwissenheit, Desinformation und Halbwahrheiten in diesem Bereich auch auf, und ich finde daß auch hier massiver Aufklärungsbedarf besteht, mit Diskreditierung erreicht man das jedoch nicht.
Daß man sich sich mit Blogs (wenn man es richtig macht) einen Vorteil in den Suchmaschinen verschaffen kann ist ein Fakt. Daß diese oftmals besser oder gleichwertig ranken wie echte Newsportale auch.
Es wurde viel nach Beispielen gefragt. Nun ist dies natürlich nicht ganz so einfach ein vernünftiges Beispiel zu finden, denn bei News von großem öffentlichen Interesse wird von den News-Portalen ausgiebig berichtet, und diese als Quellen nun vielfach verlinkt (was die Ergebnisse aufgrund der momentanen Ranking-Algorithen extrem verfälschen würde), bei reinen Szenen-News berichten keine größeren Portale. Also habe ich versucht ein Beispiel zu finden, daß Blogs wie auch News-Portale gleichermaßen zu einer verhältnismäßig kurzen, relativ wenig beachteten Meldung veranläßt, um in etwa einen Vergleich zur Vorliebe der Suchmaschinen ziehen zu können:
http://www.google.de/search?q=Google+Nielsen
Ich beziehe mich dabei praktisch auf diese Meldung.
Das erste deutschsprachige News-Portal findet sich auf Platz 10, sonst fast nur Blogs, dazu auch noch Fremdsprachige. Als User würde ich das nicht als qualitatives Suchergebnis wahrnehmen. Natürlich gibt’s auch gegenteilige Beispiele, ganz klar, die Blogs bestimmen ja nicht die SERPs dieser Welt.
Und bitte, dies ist kein Aufruf à la “Suchmaschinenoptimierung Spezialist”.
Womit wir beim nächsten Punkt dazu wären. Mir ist es ehrlich gesagt ziemlich Banane, wie dieser Blog rankt, wie hoch sein PageRank ist, oder wie gut er OnPage optimiert ist. Dieser Blog ist reines Hobby, ich mach das, weil’s mir unheimlich viel Spaß macht, nicht mehr und nicht weniger. Ich habe kein AdSense drauf, ich habe mich nicht einmal um Backlink-Aufbau gekümmert, und ich habe nichtmal Lust auf Suchmaschinenoptimierung dafür.
Ich mache das schon genug im Tagesgeschäft, und da ist es mir auch wichtig, das ist mein Job. Und da schreibe ich meine Skripte und Templates auch selbst, da wird an jedem Faden gezogen. Doch nicht in diesem Blog.
Denn hier — hier freue ich mich über meine Leser und über die Resonnanz und die Kontakte die sich daraus ergeben. Das ist mir wesentlich mehr wert als Traffic und ein paar läpprige Euros. Hier probiere ich vielleicht auch mal was aus, aber SEO ist für mich uninteressant. Ich sende meine Trackbacks, klar, weil ich es einfach toll finde, wie sich Themen untereinander verlinken lassen, und freilich ist es schön wenn Google diese Links mag. Und auch nofollows setze ich hin und wieder, auch bei Kommentaren, zum Spam-Marktplatz soll dieser Blog schließlich auch nicht verkommen. Zudem bin ich nicht bereit vollwertige Links zu geben, im Gegenzug aber nicht. Das ist Prinzip.
Auch grobe Fehler will ich vermeiden und die Inhalte zugänglich machen. Da kommt natürlich auch der SEO in mir durch. Ich kann ja schließlich keinen Suchmaschinen-Blog machen, auf dem nichtmal Grundlagen beherzigt werden. Aber um Titles, Descriptions und Keyword-Dichte (da eigentlich sowieso nie) mache ich mir keine Gedanken.
Weil wegen der H1-Überschriften gefragt wurde:
Nein, ich habe mir das hier verwendete SoSuechtig.de-Theme SEO-technisch nichtmal angeschaut. Nach meinem Verständnis von HTML dürfte hier nichtmal mehrfach eine H1 stehen.
Ich kann leider nicht allen Kommentaren gerecht werden, zu sehr unterscheiden sich die Richtungen, dennoch bedanke ich mich dafür. Gerne darf auch weiter kommentiert werden, immerhin entwickelte sich eine ganz interessante Diskussion zum Thema.
), aber ein lecker Bierchen ist immer drin
Gerne auch mal persönlich, falls sich jemand zufällig in der Nähe von Stuttgart rumtreibt (Handy-Nr. siehe Impressum). Die Schwaben können zwar kein Hochdeutsch (Obacht
11.
Von Mobbing-Opfern, Mobbing-Tätern und Mobbing-Zaungästen » Off Topic » sumaphil.de schrieb am 08. April 2008 um 23:50
[…] sich der mir bis dato gänzlich unbekannte Daniel L. über Instant-Messenger bei mir auf diesen Beitrag hin gemeldet hat. Ich schätze Feedback auf Artikel sehr, hörte mir seine Meinung an, und kurz […]
12.
Just4Fun schrieb am 14. April 2008 um 19:44
Also ich kann dich gut verstehen. Ein Wort möchte ich noch zum “Qualitäts-Journalismus” loswerden: wenn alle Leser wüssten, wie teilweise bei “echten” Journalisten recherchiert wird, würden ihnen die Haare zu Berge stehen. Das liegt nicht daran, dass die Journalisten es nicht könnten oder wollten. Nein, es liegt daran, dass einem der Job keine Zeit mehr lässt. Nun bitte auch nicht falsch verstehen: sicher KANN man soviel Zeit auf Recherche verwenden, wie man möchte. Aber wenns net bezahlt wird? Lässt man es halt. Ergo kann mancher sorgfältig recherchierte Blog-Artikel wertvoller sein, als ein journalistischer Artikel. Die Betonung liegt hierbei auf “kann”.
13.
SEO-Bukkake » Off Topic, SEO » sumaphil.de schrieb am 11. Juli 2008 um 16:15
[…] ist also derzeit ein beliebter Zeitvertreib in der Branche. Neandertal Reloaded sozusagen. Auch wenn in Gretus Beitrag das ein oder andere Fünkchen Wahrheit stecken […]
14.
Ein Lebenszeichen vom Frei-Gen'er | Der Frei-Gen Blog schrieb am 16. Juli 2008 um 19:31
[…] anzuregen. Erst heute las ich einen lesenswerten wenn auch mit Sicherheit nicht 100% korrekten Beitrag bei sumaphil, welcher mir den vielleicht nötigen Anstoss gegeben hat, um meinen Blog endlich (seit 6 […]
15.
Der Frei-Gen'er schrieb am 16. Juli 2008 um 23:22
Nabend,
ich stell grad verwundert fest wie “alt” dein Beitrag ist… wenn ich jetzt noch wüsste ich auf den gekommen bin, vermutlich über deinen interen Trackback, aber egal.
Insgesamt ändert das aber schließlich nichts an seinem Wert und ich bedanke mich ganz herzlich für die Inspiration, hoffentlich halt ich diesmal länger durch
Grüsse Der Frei-Gen’er
16.
Aufschnürer schrieb am 17. Juli 2008 um 14:38
Zugegeben, mir hängt die Diskussion um die Wahrhaftigkeit des Web 2.0 schon zum Halse heraus. Schöner Marketing-Gag, das Web nun auch noch mit Versionsnummern zu versehen. Aber das Internet wächst und entwickelt sich weiter. Wer unbedingt einen Kosenamen dafür benötigt, wieso nicht?
Und dass SEO nun auch Sache des kleinen Mannes ist, finde ich irgendwie…suboptimal. Jeder “Webmaster” der eine eigene Seite betreibt und wenigstens halbwegs Ahnung von der Materie hat, spürt diesen Druck, dieses unbändige Verlangen, seine Seite zu optimieren. Weil sonst ja die Besucher ausbleiben. Publikumsmagnet scheint nicht zwingend guter Content zu sein, sondern gutes SEO. Und dabei muss an zig Schrauben gedreht werden — Wer bremst, verliert.
Das find ich doof, und diesen Hype mache ich nicht mehr mit. Ich schreibe quasi nur noch für mich selbst. Und wenn jemand durch die kosmische Macht
GottesGoogles auf meine Inhalte stoßen sollte, so freue ich mich darüber. Ansonsten, Wayne…