23. Juli 2008

Und Tschüß, Wikipedia!

Wiki­pe­dia, die geklaute freie Enzy­klo­pä­die zum Mit­ma­chen für Jeder­mann. Vom Hobby-Astronaut bis Rentner-Zahnarzt konnte jeder dort seine eige­nen und v. A. frem­den geis­ti­gen Ergüsse hin­ter­le­gen, und in den letz­ten Jah­ren wuchs Wiki­pe­dia um eine enorme Menge an Hehler­gut Wis­sen. Und weil Google Con­tent mag, und Wiki­pe­dia zudem nicht ganz schlecht ver­linkt ist, rankte Wiki­pe­dia zuneh­mend in den SERPs, häu­fig auf Top-Positionen. Sehr zum Ärger natür­lich vie­ler SEOs, aber auch der Original-Quellen, die von Wiki­pe­dia selbst (wenn über­haupt) mit einem fau­len nofollow-Link refe­ren­ziert wurden.

Dem scheint nun das Ende nahe, zumin­dest wenn es Absicht war, was Mario ent­deckte — Wiki­pe­dia hat seine Meta-Angaben um fol­gen­den Ein­trag erweitert:

<meta name="robots" content="noindex,nofollow" />

Das wäre natür­lich eine kleine Sen­sa­tion, und bedeu­ten, daß inner­halb kür­zes­ter Zeit Wiki­pe­dia aus den Google-SERPs ver­schwin­den würde. Zumin­dest die deut­sche Wiki­pe­dia, in den ande­ren Sprach­ver­sio­nen scheint die Meta-Angabe noch nicht drin zu sein. Bin jeden­falls mal gespannt ob’s auch so bleibt, oder ein Ver­se­hen, Hack oder was auch immer war.

Update

Wie Mat­thias berich­tet, könnte das Caching-System von Wiki­pe­dia daran Schuld sein. Mög­li­cher­weise war die Freude also nur von kur­zer Dauer :(

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01. Juli 2008

“Quelle öffnen” oder wie ein Upgrade zum Downgrade wird

Yigg war bis­lang ja als beson­ders user­ori­en­tierte und –freund­li­che Web-2.0-Community bekannt, zumin­dest meis­tens. So auch unter SEOs, oder sol­che die wel­che sein wol­len. Immer­hin rankte Yigg meist sehr gut und bot einen guten sau­be­ren Back­link. Hinzu kam das kürz­lich ein­ge­führte Google Shared AdSense, was sicher­lich ein USP für Yigg war (bzw. ist), auch wenn ich im Schnitt gerade mal eine unter­ir­di­sche CTR von 0,77% habe, und die Ein­nah­men höchs­tens ein net­tes Taschen­geld sind.

Seit einer gefühl­ten Ewig­keit war dann also “das Neue Yigg” ange­kün­digt, also der Relaunch der gesam­ten Platt­form, heute war es nun also soweit. Wer die Com­mu­nity beob­ach­tete fand wohl (neben viel­leicht der EM und irgend­wel­chen ver­meint­li­chen Sex-Tapes von Pseudo-Topmodels) kaum ein Thema, das sie mehr bewegte. Ent­spre­chend hoch waren natür­lich auch die Erwar­tun­gen. Daß der Relaunch als “Open Beta” voll­zo­gen wer­den soll wurde ange­kün­digt, und ent­spre­chend will ich das Ganze auch bewer­ten. Offline-Nerds ken­nen die­ses Pro­ze­dere ja schon von Pri­ma­ten äh Primi wie Micro­soft.
Daß aller­dings das beab­sich­tigte Upgrade zu einem Down­grade wird hätte ich nicht erwar­tet…
Manch einer ver­mu­tet dahin­ter ja gar einen ver­steck­ten Link­bait :D

Mal so ein paar der schlimms­ten Faux­pas die mir spon­tan auf­ge­fal­len sind, ohne daß ich näher nach “Bugs” gesucht hätte:

  • Ca. 3 Tage für einen Relaunch? Frei­lich die Daten­menge ist enorm, und Yigg ist wohl immer noch ein Start-Up, das mit Res­sour­cen– und Geld-Knappheit zu kämp­fen hat. Aber 3 Tage für einen Relaunch (der ja i. d. R. auch ent­spre­chend gut vor­be­rei­tet wird) sind dann noch eine Haus­num­mer die eher nach ande­ren Pro­ble­men riecht… 3 Tage off­line sind ca. 10% Aus­fall vom Monats­um­satz, das macht man nicht mal ein­fach so weil man alles in Ruhe und Sorg­falt durch­füh­ren möchte.
  • Lade­zei­ten wie in den Dinosaurier-Zeiten des Webs. Sicher­lich, nach einem Relaunch kommt erst­mal mäch­tig Traf­fic von den neu­gie­ri­gen Usern, die die Ser­ver zum Rau­chen brin­gen. Aber sollte man einen sol­chen Relaunch nicht nut­zen um auch Daten­ban­ken, Skripte und Ser­ver zu opti­mie­ren? In der Ver­gan­gen­heit waren sol­che Pro­bleme zu Stoß­zei­ten ja bekannt, wurde daran denn gar nichts opti­miert? Sol­che Pro­bleme erhö­hen die Abbruch­ra­ten enorm und kos­ten letzt­lich rich­tig Geld.
  • Die Original-Quelle wird auf nicht mehr mit mit dem Artikel-Titel ver­linkt, son­dern nur noch mit dem Screen­shot (als ers­tem und wich­tigs­tem Link im Quell­text) ohne alt-Text, sowie dem dar­un­ter lie­gen­den Text “Quelle öffnen”. Jeder SEO würde die Hände über dem Kopf zusam­men­schla­gen — sofern er noch bei Bewußt­sein ist. spay­burn hat zu die­sem Anlaß bereits schon mehr oder weni­ger ernst gemeint zu einem SEO-Contest für “Quelle öffnen” auf­ge­ru­fen…
    Nun zwingt nie­mand Yigg dazu die Original-Quelle auch SEO-like zu ver­lin­ken, fair wäre es aber in jedem Fall. Schließ­lich hat Yigg genau genom­men keine eige­nen Inhalte, hinzu kommt, daß es nicht zuletzt SEOs waren, die Yigg ent­spre­chend gepusht haben (auch wenn das so man­ches Community-Mitglied nicht so wahr­ha­ben will).
    Mein SEO-Erste-Hilfe-Kasten würde hier Fol­gen­des vorschlagen:
    Auf der Haupt­seite bzw. Übersichts-Ebene:
    Ver­lin­kung der Original-Quelle mit dem Screen­shot bei­be­hal­ten, aller­dings Hin­zu­fü­gung des alt-Textes mit dem Artikel-Titel.
    Til­gung des “Quelle öffnen”-Links, oder in dem Fall zumin­dest mit einem rel=“nofollow” ver­se­hen. Lie­ber einen follow-Link mit ver­nünf­ti­gem alt-Text als einen Text-Link mit Bullshit-Anchor-Text.
    Auf Artikel-Ebene:
    Ver­lin­kung des Titels mit der Original-Quelle.
    Ver­lin­kung von Screen­shots und “Quelle öffnen” ganz weg­las­sen oder mit rel=“nofollow”.

    So wäre zumin­dest der worst case erst­mal behoben.

  • Daß die User-Profile noch nicht völ­lig migriert wur­den ist zwar pein­lich, daß aber nicht­mal die Home­page ver­linkt wird, son­dern nur als Plain-Text dasteht ist auch hier schlicht­weg unfair. Angeb­lich ist noch nicht ein­mal die Option “female” ver­füg­bar. Wenn das mal nicht die Frau von der Layen erfährt ;)
  • Die alten URLs, die natür­lich bereits auch von Google indi­ziert waren und ent­spre­chend ran­ken, wur­den zwar wei­ter­ge­lei­tet, aller­dings auf die fal­schen Arti­kel. Offen­bar kam es wohl zu Pan­nen mit den IDs. Inzwi­schen ist das Pro­blem anschei­nend beho­ben, pas­sie­ren darf das aber eigent­lich nicht, und v. A. nicht erst nach User-Hinweisen.
  • Die WordPress-Schnittstelle scheint nicht mehr zu funk­tio­nie­ren. Waren es nicht mit­un­ter auch die vie­len Blogs mit ein­ge­bau­ten But­tons, die Yigg zu mehr Reich­weite und Bekann­heits­grad ver­hol­fen haben? So etwas ein­fach off­line zu neh­men halte ich per­sön­lich für dilettantisch.
  • Layer-Ads. Sogar bei ange­mel­de­ten User in Berei­chen die haupt­säch­lich nur ange­mel­dete User nut­zen. Geht gar nicht.
    Ich weiß, die kön­nen auch ne Menge Geld bei Massen-Traffic brin­gen, aber dafür seine User zu ver­är­gern ist nicht son­der­lich wohl durchdacht.

Es gibt noch eine Menge ande­rer unglück­li­cher Klei­nig­kei­ten, ins­be­son­dere bei den User-Profilen und bei dem Web-2.0-Schnick-und-Schnack, aber ich will es mal hier­bei belas­sen.
Das z. T. auch kri­ti­sierte neue Design und die Usa­bi­lity ganz ganz all­ge­mein finde ich per­sön­lich im Übri­gen gelun­gen, zumin­dest im Ver­gleich zur alten Ver­sion. V. A. die neuen But­tons gefal­len mir sehr gut. Ich will ja auch nicht mehr Haare in der Suppe fin­den als der Koch auf dem Kopf hat ;)

An die­ser Stelle viel­leicht noch ein paar aus­ge­suchte Mei­nun­gen zum viel kri­ti­sier­ten Yigg-Relaunch:

Nunja, ich sehe es nicht ganz so dra­ma­tisch wie ein Groß­teil der Kol­le­gen, den­noch denke ich, daß an eini­gen Punk­ten noch kräf­tig nach­ge­bes­sert wer­den muß.
Ich per­sön­lich denke, daß man zumin­dest ein paar der Power-User (nein, bitte nicht mich) die neue Ver­sion vorab hätte tes­ten las­sen sol­len, eine Usability-Studie allein reprä­sen­tiert nicht die Com­mu­nity im Kern, die letzt­lich Yigg aus­macht.
Den­noch werde ich Yigg fürs Erste treu blei­ben, gleich­wohl ich mit wach­sa­mem Auge beob­ach­ten werde ;)
Immer­hin Mar­vin haben sie nicht in die Tier­mehl­fa­brik ver­bannt :D

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28. Mai 2008

Yigg bringt Google Shared AdSense nach Deutschland

Das Social-News-Portal Yigg star­tete heute als erste deutsch­spra­chige Web­site das soge­nannte “Google Shared AdSense”. Das bedeu­tet soviel, daß die User an den Wer­be­ein­nah­men über Google AdSense betei­ligt wer­den. Dafür wird der Account bei Yigg mit dem eige­nen AdSense-Account ver­knüpft, und die Ein­nah­men aus den AdSense-Bannern (wenn ich es rich­tig ver­stan­den habe) auf den eige­nen ein­ge­stell­ten News wer­den dem User bzw. Publis­her gut­ge­schrie­ben. Von Juli bis August 2008 wer­den satte 100% der Ein­nah­men gut­ge­schrie­ben, anschlie­ßend ein Betrag X%. Momen­tan steht zumin­dest in mei­nem AdSense-Account noch 0%, kann jetzt aber auch nicht sagen was das genau zu bedeu­ten hat.

Für Yigg sicher ein wei­te­rer dicker USP um beste­hende User noch wei­ter anzu­spor­nen, und dazu noch einige neue User zu gewin­nen. Auch die User pro­fi­tie­ren nicht uner­heb­lich von dem Kon­zept, immer­hin ran­ken Yigg-Beiträge meist ganz gut und wer­fen — je nach Thema — auch etwas an Traf­fic ab.
Bin mir aller­dings noch nicht ganz sicher wie­viel da wirk­lich bei rüber kommt.
Erfah­rungs­ge­mäß bringt ein Bei­trag auf der Yigg-Startseite so unge­fähr 100–200 Visi­tors (meist aber eher gegen 100), da erschei­nen aber nicht die User-Banner, son­dern nur auf der Detail-Seite. Die dürfte schät­zungs­weise eher noch ein gutes Stück weni­ger Traf­fic haben, da der Link dort­hin weni­ger pro­mi­nent plat­ziert ist. Wenn man dann noch von einer Klick­rate von 3–5% aus­geht dürfte das erst­mal nicht die Welt in ihren Säu­len erschüt­tern. Am Ehes­ten könnte ich mir also eigent­lich nur vor­stel­len, daß sich Bei­träge die gut im Google-Index ste­hen und gleich­zei­tig ein ent­spre­chen­des Such­vo­lu­men haben, was abwer­fen könn­ten das sich auch lohnt.
Bin jeden­falls mal gespannt, hab da so etwas über 460 Bei­träge ein­ge­stellt, sollt man also rela­tiv schnell mer­ken ob dar­über was geht.

Pro­ble­ma­tisch sehe ich aller­dings, daß da jetzt plötz­lich hau­fen­weise Bei­träge über Pri­vate Kran­ken­ver­si­che­run­gen, Last-Minute-Reisen und Sofort­kre­dite auf­tau­chen könnten…

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17. Dezember 2007

Google Shared Stuff wird zu Google Profile

Heim­lich, still und leise hat Google einen neuen Dienst gestar­tet: Google Pro­file. Viel­mehr ist es eigent­lich ledig­lich eine erwei­terte Ver­sion des Diens­tes Google Shared Stuff, der zuvor Google Book­marks hieß, und der es ermög­licht ein klei­nes öffent­li­ches Pro­fil online zu stellen:

Google Profile

Momen­tan kön­nen dort bis­lang nur wenige Infor­ma­tio­nen hin­ter­legt wer­den, eine Art Online-Visitenkarte also, für die auch Nick­na­mes ver­wen­det wer­den kön­nen. Würde natür­lich inter­es­sant, sobald die Pro­file mit ande­ren Google Diens­ten ver­knüpft wer­den. Irgend­wie scheint man mit der Mate­rie der Social Media noch nicht so rich­tig warm zu wer­den, aus­bau­fä­hig ist’s in jedem Fall.

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10. Dezember 2007

Google 1984

Nein, so alt ist Google wirk­lich nicht. Aber George Orwells Roman “1984” könnte nicht tref­fen­der die neuen Google-DoubleClick-Pläne beschreiben.

An Content-basierte Wer­bung à la AdSense haben wir uns ja bereits gewöhnt, ja, wir fan­den sie toll und revo­lu­tio­när. Auch an Beha­vio­ral Tar­ge­ting (Tracking des User-Verhaltens, z. B. für per­so­na­li­sierte Pro­dukt­vor­schläge) des Vor­rei­ters ama­zon haben wir uns gewöhnt, und das ein oder Andere dadurch letzt­lich auch gekauft.

Aber — beide hat­ten ihre Gren­zen, und das war auch gut so! AdSense-Anzeigen bezo­gen sich immer auf die Web­site, die gerade besucht wird, bzw. AdWords auf das gerade gesuchte Key­word. Bei ama­zon mußte man ein­ge­loggt sein, oder zumin­dest ein aktu­el­les Coo­kie haben, zudem beschränkte sich das ganze Ver­hal­ten auf das Ange­bot des Bücherhändlers.

Was aber Nordamerika-Werbechef Tim Arm­strong nun ver­laut­barte, dürfte jedem Daten­schüt­zer schwer im Magen lie­gen. Mit Dou­ble­Click sol­len künf­tig detail­lierte und sei­ten­über­grei­fende User-Profile erstellt wer­den, anhand derer sich wie­derum die aus­ge­lie­fer­ten Google-Anzeigen orientieren.

Das würde bedeu­ten, daß ich heute was im Erotik-Shop bestelle, und mor­gen bei der Suche nach “Online-Shop” lau­ter Anzei­gen über die neu­es­ten Dil­dos, Gleit­cremes und Penis­ringe aus­ge­lie­fert bekomme.
Macht sich prima auf Mehrbenutzer-PCs…

Ich kann mir kaum vor­stel­len, daß diese Ankün­di­gung dem Kar­tell­ver­fah­ren zur DoubleClick-Übernahme zuträg­lich sein wird, eigent­lich hoffe ich es sogar.

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07. November 2007

Web 2.0 — Willkommen im Neandertal

Es scheint wie die Fort­set­zung der Talk– und Gerichts­shows vom TV ins Web. Der Mob hat sein Forum gefun­den. Blogs, Pro­dukt­be­wer­tun­gen, Videos, Mitmach-Seiten — es wird geläs­tert, geschimpft, gelo­gen, betro­gen, bele­digt, gedisst.
Dabei fei­ert die Bran­che sich mal wie­der selbst, erklärt “User gene­ra­ted Con­tent” zur Zukunft des Inter­net. Ver­ba­ler Müll, geis­ti­ger Dünn­pfiff und Rektal-Journalismus — da bleib ich lie­ber im Heute.

Die klas­si­schen Medien, inklu­sive des Webs, hat­ten bis vor ein paar Jah­ren über viele Jahr­hun­derte eines gemein­sam — sie bestimm­ten die Mei­nung der Masse. Aber sie waren nicht die Masse, sie hat­ten also eine Ver­ant­wor­tung. Eine Ver­ant­wor­tung, derer sich die Mei­nungs­ma­cher stets bewußt waren, und des­halb auch zu allen Zeit miß­braucht wurde — auch bis heute.

Da erscheint es gera­dezu revo­lu­tio­när, gera­dezu ur-demokratisch, daß es jetzt plötz­lich mög­lich sein soll, daß die Masse ihre eigene Mei­nung selbst bestimmt. Mil­lio­nen Mei­nun­gen also, denen ursprüng­li­che jour­na­lis­ti­sche oder aka­de­mi­sche Metho­den wie Recher­chen, Quel­len und Beson­nen­heit ein Fremd­wort sind. Es wird ver­öf­fent­licht was medial dar­ge­stellt wer­den kann. Von Ver­ant­wor­tung kann gar nicht die Rede sein, der Fleisch­klum­pen zwi­schen den Ohren hält nicht mal der Recht­schreib­prü­fung Stand.

Einen neuen trau­ri­gen Höhe­punkt fand die Mög­lich­keit zur Jedermanns-Selbstdarstellung im heu­ti­gen Amok­lauf in Finn­land. Der Täter konnte seine Hass­ti­ra­den vorab unge­hin­dert bei YouTube publik machen, sogar ein mör­de­ri­scher Kurz­film beglückte die Video-Community. Tra­gö­dien wer­den zum unge­fil­ter­ten öffent­li­chen Spe­ka­ta­kel, her­auf­pro­vo­zierte Gegen-Meinungen inklu­sive. Nachrichten-Portale wer­den zu Sekun­där­quel­len, geord­nete und recher­chierte Infor­ma­tio­nen zum Bei­werk für die Bil­dungs­schicht. Die anschlie­ßende Ver­ar­bei­tung fin­det nicht mehr in Kolum­nen, Kom­men­ta­ren und Leser­mei­nun­gen statt, son­dern wird in offene Schlag­ab­tau­sche in Internet-Foren und Blog-Kommentare ver­la­gert. Fäuste raus, Köpfe sind zum Tref­fen da.

Auch die EU hat inzwi­schen erkannt, daß im viel­ge­lob­ten Web 2.0 gar nicht immer so viel Lobens­wer­tes statt­fin­det. Soge­nannte Flogs, also gefakte Blog­bei­träge, vor­ge­täuschte Kom­men­tare und Rezen­sio­nen zum wirt­schaft­li­chen Wohle und Unwohle sol­len künf­tig hart geahn­det wer­den. Schnell wird das Gespenst der Zen­sur und Mei­nungs­frei­heit her­auf­be­schwo­ren. Doch dient ein sol­cher Müll an Ver­brau­cher­in­for­ma­tio­nen und der Mei­nungs­ver­fäl­schung wirk­lich der Mei­nungs­bil­dung? Gue­rilla Mar­ke­ting beinhal­tet nicht umsonst Gue­rilla. Es herrscht Krieg im Online-below-the-line-Marketing, geschos­sen wird mit Fäkal-Wattenbäuschchen bis zum kol­lek­ti­ven Verbraucher-Kollaps.

Doch es gibt auch die öffent­li­chen Verbraucher-Meinungen. Unver­fälscht bie­ten zahl­rei­che Platt­for­men jedem Test-Laien die Mög­lich­keit, seine gelieb­ten und unge­lieb­ten Pro­dukte und Dienst­leis­tun­gen in gewohn­ter Leg­as­the­nie zu bewer­ten. Wäh­rend pro­fes­sio­nelle und renom­mierte Insi­tu­tio­nen mit wis­sen­schaft­li­chem Auf­wand ver­su­chen ein mög­lichst neu­tra­les Mei­nungs­bild zu schaf­fen, vetraut die User­schaft lie­ber auf öber­fläch­li­che Ein­drü­cke anony­mer Benutzer.

Blog­ger ohne jeg­li­chen Hin­ter­grund wer­den allein auf­grund ihrer Fähig­keit Word­Press zu instal­lie­ren und zu bedie­nen zu den Hel­den des zwei­ten Inter­nets. Und die Such­ma­schi­nen hono­rie­ren es. Klar, schließ­lich ist ein Blog­ger immer einer von uns. Nicht so ein stu­dier­ter Jour­na­list, der sein Hand­werk über Jahre hin­weg ler­nen mußte. Nein, Blog­ger geben das wider was das Volk bewegt. Die Clau­dias und Jaque­lines der Talk­shows von ges­tern wer­den zu den Pro– und Alpha-Bloggern von mor­gen. Das inter­es­siert die Masse, das inter­es­siert die Such­ma­schi­nen, das belei­digt jedoch meine Intelligenz.

Klar, die Such­ma­schi­nen. Da war doch noch was, das ich täg­li­che mache. Ach ja, stimmt, Such­ma­schi­nen­op­ti­mie­rung. Ja, auch ich habe die­ses Phä­no­men erkannt, auch ich weiß um diese Gunst von Such­ma­schi­nen, Link­ge­bern und letzt­lich auch Usern. Auch ich baue Yigg-Buttons ein und bin so geil auf Links wie die Gup­pys auf die Rot­schwän­zige in unse­rem Büro-Aquarium. Google macht uns zu Link­schlam­pen und Traf­fic­nut­ten, die eben das machen was funk­tio­niert und was am Ende des Tages Geld bringt.

Lei­der brachte diese Geil­heit in den jüngs­ten Tage bei so Man­chem SEO mehr Beach­tung als echte Ehr. Schließ­lich bringt ein Liebhaber-Blog mit lesens­wer­ten Arti­keln über den süd­schwe­di­schen Grünschwanz-Buntfalter deut­lich weni­ger Back­links und Digg-, Yigg– und SEOigg-Punkte, als das Dis­sen von Kol­le­gen.
Also zurück zum Ur-Prinzip der rei­nen Blog-Funktionalität, und jeg­li­che Selbst­an­sprü­che über Bord. Um Links wird unter SEOs schließ­lich gebuhlt wie einst um die Bli­cke der koket­ten Blon­dine auf dem Schul­hof. Ich werde ver­linkt, also bin ich.
Aus­ge­gan­gen von einem nicht ganz unbe­grün­de­ten Blog-Beitrag eines Opti­mie­rers unter weiß-blauem Fir­ma­ment über die Ver­kom­mung von SEO zum miß­kre­di­tie­ren­den Allerwelts-Hobby, began­nen plötz­lich die Fingerzeig-Kommentare auf die­sen und jenen Schrei­ber, der den Erfolg auch noch aus­ge­rech­net im viel­be­schwo­re­nen Web Zwo­null suchte, und beim Stri­cken viel­leicht bes­ser auf Schur­wolle als auf Theo­rien zurück­grei­fen sollte. Abstruse Kom­men­tare und Bei­träge wech­sel­ten die Feed-Reader, und am Ende haben alle an Links gewon­nen — und an Glaub­wür­dig­keit ver­lo­ren.
Wei­ter ging’s mit einem von mir eigent­lich geschätz­ten Blog­ger, der schon vorab inte­griert war, und in der nächs­ten Kurve falsch abbog anstatt zu Brem­sen. Unüber­legt­heit, und eine berech­nende Hoff­nung auf Links ver­lei­tete ihn und wei­tere Blog­ger zum rei­nen Link-Selbstzweck zu verkommen.

Deutsch­land sucht den Super­bait. In der Jury: Google, Yahoo und Micro­soft. Ver­linkt — und damit gefun­den — wer­den nicht die wich­ti­gen Infor­ma­tio­nen die­ser Welt, son­dern das, was am Meis­ten Auf­merk­sam­keit erregt. Wun­der­bare Stra­te­gie. Wir erhö­hen den Traf­fic und redu­zie­ren die Qua­li­fi­zie­rung im glei­chen Atem­zug. Es wird viel gebla­sen und gespuckt, mit Medium hat das Ganze nur noch wenig zu tun.

Es erscheint gera­dezu als ob Henry Fords Aus­sage immer noch in den Köp­fen herumspukt:

Wenn eine Ente ein Ei legt, dann tut sie das still und zurück­ge­zo­gen in einem Busch. Wenn jedoch ein Huhn ein Ei legt, so gackert es laut und flat­tert herum.
Und der Erfolg? Die ganze Welt isst Hühnereier!

Doch Sozial Media Opti­miza­tion — SMO — befrie­digt nicht das User-Interesse, son­dern des­sen Neu­gier. Schon der Ein­zel­händ­ler weiß, daß nicht Neu­gier Umsatz gene­riert, son­dern ech­tes Interesse.

Aber Neu­gier bringt uns wie­der zurück auf die Bäume. Zumin­dest auf die mit Blick zum Nachbars-Schlafzimmer. Immer­hin ist es inter­es­san­ter über des­sen Bett­wä­sche zu läs­tern, als die Eigene zu ver­kau­fen. Das bringt Traf­fic, das bringt die Nean­der­ta­ler, aber das bringt keine Kunden.

Genau genom­men ist auch die­ser Bei­trag eine nean­der­ta­li­sche Braut­schau, inkl. Yigg-Prostitution. Jeder Link, jede Yigg-Stimme führt diese Dis­kus­sion ad absur­dum. Also zu was soll ich auf­ru­fen? Nofollow-Links? Yigg-Button igno­rie­ren? Steht mir das als Index-Schlampe über­haupt zu, schließ­lich bewege ich mich auf dem­sel­ben Ter­rain? Natür­lich, auch ich teste und prüfe diverse virale Mög­lich­kei­ten, ich bin ja kein SEO-Demagoge.
Und doch habe ich bewußt auf Links in die­sem Bei­trag ver­zich­tet, noch mehr Öl im Feuer muß nicht sein.

Oder wie es Faust gesagt hätte:

Da steh’ ich nun, ich armer Thor, und bin als klug als wie zuvor.

Also was ist das Fazit der Erkennt­nis? Zumin­dest die ver­ant­wor­tungs­volle Auf­gabe der Such­ma­schi­nen wird es sein, Inhalte nicht nur auf­grund von äuße­ren Bege­ben­hei­ten (Links, HTML-Code usw.), son­dern letzt­lich auch nach Qua­li­täts­prin­zi­pien zu beur­tei­len. Und eben nicht jeden Blog oder offen­sicht­li­chen Link­bait in die Top 10 zu spü­len. Nicht der Stär­kere sollte zäh­len, son­dern der Bessere.

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02. November 2007

Google goes social

Zumin­dest was die Ent­wick­lung der OpenSocial-Plattform von Google angeht. Vom Prin­zip her geht es darum, daß Platt­for­men wie z. B. Face­book über offene Schnitt­stel­len es Ent­wick­lern ermög­li­chen, eigene Appli­ka­tio­nen für das Netz­werk zu ent­wi­ckeln, die User anschlie­ßend ein­bin­den kön­nen. Das Pro­blem bis­lang war, daß diese Anwen­dun­gen nicht platt­for­mu­n­ab­hän­gig waren, und für andere Platt­for­men wie z. B. MyS­pace wie­der ange­passt wer­den muß­ten. Open­So­cial (Code­name: Maka-Maka) soll als zen­trale API platt­form­über­grei­fende Ent­wick­lun­gen ermög­li­chen, die so in alle Platt­for­men uni­ver­sell ein­ge­bun­den wer­den kön­nen. Google packt hier viel­be­klagte Pro­bleme beim Schopfe, und tut das ein­zig Sinn­volle und Nahe­lie­gende — anstatt unzäh­li­ger platt­form­ab­hän­gi­ger Markup Lan­gua­ges, basiert Open­So­cial auf den übli­chen Web-Sprachen wie HTML, Java­Script und Co. Auch Objekte wie Flash sol­len ein­ge­bun­den wer­den können.

Der Kampf um das Internet-Betriebssystem hat begonnen

Nach­dem ins­be­son­dere Face­book inzwi­schen wahn­sin­nig erfolg­reich mit der Stra­te­gie der offe­nen Schnitt­stel­len ist, zieht Google nach, und hofft offen­bar auf einen Wett­be­werbs­vor­teil durch die Schaf­fung eines mög­li­cher­weise erfolg­rei­che­ren uni­ver­sel­len Stan­dards, nicht zuletzt auch auf­grund der eige­nen Reich­wei­ten und Markt­an­teile. Open­So­cial ist bis­lang jedoch ledig­lich als eine Art Meta-Plattform kon­zi­piert, es fehlt letzt­lich eine eigene Platt­form, die als tat­säch­li­che Kon­kur­renz zu Face­book auf­war­ten könnte. Denn was hätte Google davon, wenn sich letzt­lich sogar Face­book an Open­So­cial betei­li­gen würde, das eigent­li­che Web-Portal für den User jedoch Face­book wäre, und Google ledig­lich der Daten– und Tech­ni­k­lie­fe­rant?
Die ein­zig logi­sche Kon­se­quenz wäre eine ent­spre­chende Aqui­si­tion oder eben der Auf– bzw. Aus­bau eines eige­nen Social Net­works. Für Letz­te­res kämen eigent­lich nur das Stief­kind Orkut oder eine kräf­tige Umstruk­tu­rie­rung des rela­tiv wenig ver­brei­te­ten iGoogle in Frage. Stra­te­gisch (wenn auch nicht wirt­schaft­lich) Sinn machen würde eigent­lich nur eine Über­nahme von Face­book, wie es auch die Gerüch­te­kü­che immer wie­der ver­mu­tet. Hier wäre bereits eine Nut­zer­schaft da, die mit die­ser Sys­te­ma­tik ver­traut ist, und der Haupt­kon­kur­rent wäre zugleich aus der Welt geschafft. Eigent­lich wür­den erst genau dann die Über­nah­men von Zingku und Jai­kido wirk­lich Sinn machen, und könn­ten per­fekt in eine beste­hende Platt­form inte­griert wer­den. Da könnte der ver­meint­lich unbe­deu­tende Ein­kauf Micro­softs letzt­lich zum Pro­blem werden.

Eine Platt­form, deren Markt­po­si­tion es zulässt, sämt­li­che rele­van­ten Dienste des WWW unter einem Dach zu sam­meln und zu per­so­na­li­sie­ren — das wäre tat­säch­li­che die Schaf­fung eines Web-Betriebssystems. Das Por­talge­schäft würde sich schlag­ar­tig vom klas­si­schen Push– hin zum Web-2.0-alike Pull-Marketing hin ent­wi­ckeln. Und Google könnte den Dirigenten-Stab schwingen.

Ein zen­tra­ler und per­so­na­li­sier­ba­rer Aus­gangs­punkt für Infor­ma­tio­nen, Shop­ping und Unter­hal­tung hätte mit Sicher­heit eine ent­spre­chende Reson­nanz beim User. Einige Anbie­ter wie Lin­ke­dIn, Fri­ends­ter, Plaxo, Ning, Sales­force und natür­lich Orkut sol­len bereits inte­griert wer­den, gerüch­ter­weise auch die deut­sche Network-Plattform Xing.

Am gestrigen/heutigen (in USA) Don­ners­tag sol­len unter der Adresse code.google.com/apis/opensocial wei­tere Infor­ma­tio­nen ein­seh­bar sein. Bis­lang wird jedoch nur eine Feh­ler­mel­dung beim Auf­ruf der Seite angezeigt.

Für Online-Marketer wird die­ses Thema schon sehr schnell sehr wich­tig, aber auch eine der größ­ten Her­aus­for­de­run­gen der letz­ten Jahre werden.

Update

Die Adresse ist nun erreich­bar und hat auch gleich einen eige­nen Blog ver­passt bekommen.

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27. September 2007

Google kauft Zingku

Wie auf der Web­site des Mobi­len Social Net­works Zingku nach­zu­le­sen ist, wurde der Dienst von Google aufgekauft.

Dort steht u. A.:

We’ve ente­red into an agree­ment to have Google acquire our Zingku service.

Zingku ist ein Ser­vice, der haupt­säch­lich Uni­fied Mes­sa­ging Dienste und Schnitt­stel­len zu Webap­pli­ka­tion anbie­tet. Das Ganze natür­lich Web-2.0-like als Sozia­les Netz­werk verpackt.

Der Anbie­ter agiert bis­lang nur auf dem US-Markt, von daher scheint ein grö­ße­rer neuer Google-Dienst eher unwahr­schein­lich. Die Über­nahme dürfte aber die immer wie­der auf­keh­ren­den Gerüchte um ein Google Phone wie­der ein­mal auf­flam­men lassen.

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20. September 2007

Google Shared Stuff

Wie Blo­go­scoped berich­tet, hat Google einen neuen Social Book­marks Dienst, genannt “Google Shared Stuff”, gestar­tet. Nach dem eher etwas unaus­ge­go­re­nen “Google Book­marks” bie­tet Shared Stuff end­lich auch die Mög­lich­keit, diese Book­marks öffent­lich zu tei­len. Zudem kön­nen die Links noch mit einem Thumbnail ver­se­hen wer­den.
Der Google­Watch­Blog spe­ku­liert bereits, ob diese frü­her oder spä­ter auch für die Such­er­geb­nis­sei­ten ver­wen­det wer­den könnten.

Aller­dings wirkt der Dienst noch etwas spar­ta­nisch, erscheint mir wie eine frühe Beta-Phase. Dafür spricht natür­lich auch, daß Google Shared Stuff noch nicht von offi­zi­el­ler Seite ange­kün­digt wurde.
Inter­es­san­ter­weise bie­tet Shared Stuff auch die Mög­lich­keit, gespei­cherte Book­marks auch über But­tons an andere Dienste wie Face­book, Furl, del.icio.us, Social Pos­ter, Red­dit und Digg zu über­mit­teln, wie das von eini­gen die­ser Dienste auch bekannt ist. Ver­mut­lich erhofft man sich davon, im Gegen­zug auch dort inte­griert zu wer­den, um den Bekannt­heits­grad bei den Usern zu erhö­hen. Gerade beim Ein­stieg in bereits eta­blierte Online-Marktsegmente tat sich Google bis­lang eher schwer (Google Check­out, Social Communities/Bookmarking), und ging letzt­lich auf Aqui­si­ti­ons­kurs (YouTube, Feedburner).

Sollte Shared Stuff tat­säch­lich den Durch­bruch schaf­fen, wäre das für Google natür­lich ein Eldo­rado der User-Daten, ins­be­son­dere Social Beha­viour und Net­works, aber auch klas­si­sche Rating-Kriterien für Web­sites und Arti­kel, wür­den ganz neue Mög­lich­kei­ten für iGoogle und sämt­li­che ande­ren per­so­na­li­sier­ba­ren Dienste, sowie bes­ser anpass­bare per­so­na­li­sierte Wer­bung bie­ten.
Mich hat’s ehr­lich gesagt gewun­dert, daß Google nicht schon frü­her ener­gisch auf die­sen Zug auf­ge­sprun­gen ist.

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