04. Januar 2009

Vorsicht vor AdWords-Phishing!

Nach­dem ich in die­sem (bzw. letz­tem) Jahr weder Zeit noch Lust für die übli­chen Fei­er­tags­wün­sche hatte:

Erst­mals noch eine schöne (Rest-)Weihnachtszeit und ein Fro­hes und erfolg­rei­ches Jahr 2009!

Weni­ger erfreu­lich sind die Infos, die mir ein Kol­lege freund­li­cher­weise zukom­men ließ:

Bei einer nor­ma­len Google-Suchanfrage zum Key­word “AdWords” stieß er vor ein paar Tagen auf fol­gende Anzeigen:

AdWords SERPs

Ent­schei­dend ist das dritte Ergeb­nis (bzw. das Erste in der rech­ten Spalte) der Anzei­gen. Hier wird mit einer Anzeige-URL gewor­ben, die auf den ers­ten Blick wie eine offi­zi­elle Google-Domain wirkt. “adwords-google.com” scheint dort zu ste­hen, genauer betrach­tet lau­tet diese aber “advvords-google.com”, also mit zwei “v” anstelle eines “w” geschrie­ben. In der Google-Standard-Schrift Arial erkennt man prak­tisch kei­nen Unter­schied, der Power-User mag sich viel­leicht noch kurz dar­über wun­dern, warum der Begriff “AdWords” nur in der Über­schrift gehigh­ligh­ted ist, in der Anzeige-URL aber nur der Wort­be­stand­teil “ad”. Auch die Ziel­seite wirkt rela­tiv unscheinbar:

AdWords Phishing

Prak­tisch 1:1 der eng­lisch­spra­chi­gen AdWords-Login-Seite nach­emp­fun­den. Mit einem Unter­schied:
Diese Seite (bzw. etwas unge­wöhn­li­che Domain) gehört weder zu AdWords, noch zu Google, son­dern ist ein geschickt getarn­ter Phishing-Versuch, um an die Login-Daten von AdWords-Kunden zu gelangen.

Mitt­ler­weile ist die Domain nicht mehr erreich­bar (war ohne­hin WHOIS Pro­tec­ted), und auch diese oder ähnli­che Anzei­gen tau­chen nicht mehr in den Such­er­geb­nis­sen auf. Den­noch war die gefähr­li­che Phishing-Anzeige über zumin­dest ein paar Stun­den erreichbar.

Bei Google selbst hielt man es offen­bar jedoch nicht für nötig, seine Kun­den über die­sen gefähr­li­chen Phishing-Versuch zu infor­mie­ren. Es ist ja auch pein­lich, wenn sich sol­che Anzei­gen pro­blem­los in das AdWords-System ein­spie­len las­sen, und die eige­nen so oft pro­kla­mier­ten Qualitäts-Richtlinien sich als Schall und Rauch her­aus­stel­len wür­den.
Daß soet­was mög­lich ist war mir schon lange bekannt, zu löch­rig ist das AdWords-System, zu leicht las­sen sich die wäss­ri­gen Sicher­heits­me­cha­nis­men umge­hen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich Kri­mi­nelle die­ser Sicher­heits­lö­cher bedie­nen um Kasse zu machen, gedeckt von der bekannt arro­gan­ten und restrik­ti­ven Infor­ma­ti­ons­po­li­tik sei­tens Google.
Dabei wäre es ein Leich­tes, sol­che offen­sicht­li­chen Betrugs-Versuche zu stop­pen, Stop­words wie wich­tige Ver­tip­per oder die Her­an­zie­hung der ohne­hin schon vor­han­de­nen Aus­wer­tung der Ziel­seite. Auch eine offi­zi­elle Warn­mel­dung ist bes­ser als ein Echo aus der Presse oder Blo­go­sphäre — selbst Micro­soft hat das inzwi­schen erkannt.

Nach­dem es sich um eine eng­lisch­spra­chige Anzeige und Ziel­seite han­delte, kann man davon aus­ge­hen, daß diese Anzeige prak­tisch welt­weit geschal­tet wurde und auch erschien. Ich möchte gar nicht wis­sen, wie­viele ahnungs­lose AdWords-Kunden hier ihre sen­si­blen Login-Daten preis­ga­ben im Ver­trauen auf ein ver­meint­lich siche­res Sys­tem. Vom finan­zi­el­len Scha­den ein­mal abge­se­hen. Nach­dem Google nun auch kaum nach­prü­fen kann, wel­che Kun­den davon betrof­fen waren, und man keine offi­zi­elle War­nung her­aus­gab, dürf­ten viele immer noch nicht wis­sen, daß sich mög­li­cher­weise Fremde auf Ihre Kos­ten bei AdWords bedient haben oder immer noch bedie­nen. Will­kom­men in der wund­ba­ren Monopol-Welt von Google…

Im Zwei­fels­fall: umge­hend Pass­wort ändern! Und in Zukunft: Augen auf beim AdWords-Kauf ;)
M. W. hat sich an den Sicher­heits­me­cha­nis­men nichts geän­dert, und sol­che Phishing-Versuche könn­ten prak­tisch jeder­zeit wie­der­holt werden.

Ich hoffe von euch hat’s kei­nen erwischt und ihr habt einen wei­ter­hin erfreu­li­chen Start ins Neue Jahr :)
Gebt die Info viel­leicht auch wei­ter an Kol­le­gen, Freunde und Bekannte, die auch AdWords betrei­ben, ins­be­son­dere an die eher uner­fah­re­nen User.

Popu­la­rity: 13%

8 Kommentare

1. Passwörter richtig wählen « Internet schrieb am 05. Januar 2009 um 10:43

[…] möch­ten wir Euch kurz auf den von Jens Ton­nier geschrie­be­nen Bei­trag ‘Vor­sicht vor AdWords-Phishing!´ auf­merk­sam machen. Auch wenn Ihr nicht direkt betrof­fen seid, zeigt der Bei­trag eindrucksvoll, […]

2. Paul schrieb am 05. Januar 2009 um 15:35

Ham­mer,

finde nur komisch das Adwords selbst nicht ein Fil­ter­sys­tem für sol­che Domains besitzt.

3. Sylvia Lohdamm schrieb am 05. Januar 2009 um 15:41

Es ist wirk­lich kri­mi­nell, wie wenig sich Google um die Sicher­heit sei­ner User schert! Da geht es nur um Markt­an­teile, und die ver­tra­gen nun­mal keine schlechte Presse. Zum Glück dient das Inter­net ja selbst dazu, auf beste­hende Sicher­heits­lü­cken zumin­dest auf­merk­sam zu machen …

4. J schrieb am 06. Januar 2009 um 07:47

Krasse Sache, aber es hätte auch schon beim Laden der Seite auf­al­len müs­sen (vorraus­ge­setzt man ist nicht kom­plett neu bei Adwords)…
Hat sich schon jemand die Mühe gemacht her­aus­zu­fin­den wem diese Seite gehört?

5. Phishing-Angriff auf Twitter Benutzer schrieb am 06. Januar 2009 um 10:01

[…] Die­sen Wert haben lei­der auch Leute mit kri­mi­nel­len Gedan­ken ent­deckt. Der­zeit wird stark ver­sucht Twit­ter Benut­zern ihre Daten zu steh­len. Phis­hing Fälle sind schon aus diver­sen Bereich bekannt und im Inter­net ein lang gese­he­nes Pro­blem. So gibt es der­zeit schein­bar einige Google AdWords Phis­hing Sei­ten, mehr dazu bei Sumaphil. […]

6. Top 10 der Woche 02/09 « Wochenrückblicke schrieb am 11. Januar 2009 um 09:55

[…] Die 8 Stu­fen eines SEO 3.) Google Ana­lytics erset­zen 4.) Blog­ver­kauf als Geschäfts­mo­dell? 5.) Vor­sicht vor AdWords Phis­hing 6.) Ran­king mit Google Ana­lytics auf­klä­ren 7.) Mit Stu­dium zum Inhouse SEO 8.) Meta Tags vs. […]

7. Genotec AG schrieb am 30. November 2009 um 15:22

Wir schrei­ben das Jahr des Herrn 2009 und am 30. Novem­ber kommt schein­bar die nächste Google-AdWords-Phishing-Salve übers Netz. Heute haben auch wir diese E-Mail erhal­ten, aber als Hos­ter ist uns der ver­steckt “fal­sche” Link natür­lich sofort auf­ge­fal­len. Keep on watchin’ :-)

8. okseo schrieb am 22. Dezember 2009 um 19:02

Krasse Sache !!!!!
Danke für den Tipp. Bei Mail´s selbst­re­dend. Aber bei Adword´s. Verry gefähr­lich. Gut ich gehe nun nicht aus­ge­rech­net über Adword´s in meine Accounts. Aber wer weiss das so genau manch­mal im Leben.

Also Klasse Hinweiss

Danke

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