Keyworddomains — und alle reden vom Markenbonus

von kralle am 2. November 2009

Es sorgt in der Szene ja momen­tan für regli­chen Dis­kus­si­ons­stoff: Google scheint seit etwa Ende Juni Key­word­do­mains im Ran­king etwas zu bevor­zu­gen. Als Haupt­ar­gu­ment wird dafür die von Google ange­kün­digte Bevor­zu­gung von Mar­ken ange­führt. Matt Cutts hat sich dazu ja auch mal kurz per Video geäußert:

Offi­zi­ell geht es also haupt­säch­lich um die Anhe­bung Trust, Aut­ho­rity, Page­Rank *gähn* und das übli­che PR-Blahblah von Sei­ten Google.
Inter­es­san­ter ist aber der Zeit­punkt der ers­ten The­ma­ti­sie­rung, denn die lag etwa gute 4 Monate vor dem beschrie­be­nen “Sprung” der Key­word­do­mains. Kaum vor­stell­bar, daß Google eine so lange Zeit benö­tigt zwi­schen halb­of­fi­zi­el­ler Bestä­ti­gung und tat­säch­li­chem Update. Das wäre unge­fähr so, als ob das über­nächste PageRank-Update bereits vor dem Nächs­ten ange­kün­digt wird ;)
Ich hab mir dazu auch will­kür­lich sowohl einige Mar­ken– als auch Key­word­do­mains ange­schaut, und ehr­lich gesagt sehe ich hier auch keine Kor­re­la­tion. Viel­mehr sehe ich bei Mar­ken­do­mains häu­fig einen Knick zwi­schen dem 19. und 26. Mai, was für mich eher für eine leichte Abschwä­chung bzw. Kor­rek­tur des Brand­bo­nus spricht (was man bei Google ja häu­fig nach ein­schnei­den­den Updates beob­ach­ten kann). Umge­kehrt konnte ich bei Key­word­do­mains jetzt kei­nen gene­rel­len Sprung Ende Juni beob­ach­ten, was nach der Theo­rie ja sonst fast schon zwangs­läu­fig sein müsste.

Haupt­säch­lich das spricht für mich wenig dafür, daß die Bevor­zu­gung von Key­word­do­mains quasi eine Art Neben­ef­fekt eines Mar­ken­bo­nus ist.

Aber betrach­ten wir mal zunächst, woran Google denn über­haupt eine Mar­ken­do­main als Sol­che erken­nen könnte, wenn sie denn diese schon im Ran­king bevor­zu­gen möchten:

  • Ganz kla­rer Fall: die Mar­ken­re­gis­ter. Diese dürf­ten Google wohl mit Sicher­heit zugäng­lich sein, und mit ziem­li­cher­Si­cher­heit auch (zumin­dest expe­ri­men­tell) genutzt wer­den. Las­sen wir mal reine Internet-Brands außen vor, bei denen Marke = Domain ist, so könnte Google eine Such­an­frage zu einer Brand also durch­aus von einer gene­ri­schen Such­an­frage unterscheiden.
  • Aber auch die Struk­tur einer Such­an­frage: Brand­spe­zi­fi­sche Such­an­fra­gen erfol­gen nicht in Form von “Brand”, son­dern auch häu­fig mit “Brand + Key­word”, oft auch mit “Brand + Key­word + Artikel/Modell”.
    Um mal ein kon­kre­tes Bei­spiel zu nen­nen: Die Marke “Nokia” hat nicht nur Such­an­fra­gen nach “Nokia”, son­dern auch nach “Nokia Handy”, “Nokia Handy N85”, “Nokia N85” usw.
    Im Anbe­tracht des reprä­sen­ta­ti­ven Daten­ma­te­ri­als das Google zur Ver­fü­gung steht, sollte es auch einem durch­schnitt­li­chen Sta­tis­ti­ker mög­lich sein, hier­aus Brand-Suchanfragen, und letzt­lich rele­vante Brands zu extra­hie­ren.
    Im direk­ten Ver­gleich dazu sind gene­ri­sche Such­an­fra­gen nach “Handy N85” u. Ä. näm­lich ver­schwin­dend gering. Kin­der­fa­sching für Sta­tis­ti­ker also. Folg­lich muss “Nokia” auch mar­ken­nahe Qua­li­tät haben, und die zuge­hö­ri­gen Domains wohl auch ent­spre­chend Markencharakter.

Es gibt noch wei­tere Mög­lich­kei­ten und Indi­zien Mar­ken, bzw. Mar­ken­do­mains ein­deu­tig als Sol­che erken­nen zu kön­nen (und von gene­ri­schen Key­words zu unter­schei­den), ich habe ehr­lich gesagt kaum Zwei­fel daran, daß Google nicht das Know-How dazu hätte, und wenn ein Bedarf bestünde, die­ses auch auf den Index anwen­den könnte.

Wer sich wie ich sehr viel mit der Google Uni­ver­sal Search aus­ein­an­der­setzt weiß daß Google inzwi­schen sehr gut darin ist zu erken­nen, was denn der User eigent­lich sucht. Sprich: die Vor­aus­set­zung für die Google Uni­ver­sal Search über­haupt ist ein Algo­rith­mus der intel­li­gent den eigent­li­chen User­wil­len erkennt. Ich erwähne dies häu­fi­ger auf mei­nen Vor­trä­gen, aber irgend­wie scheint das noch nicht allen so recht bewußt zu sein.
Bei­spiel: wer nach einer öffent­li­chen Per­son sucht, der bekommt i. d. R. Universal-Search-Ergebnisse mit News, Bil­dern und Videos, wer ein Pro­dukt sucht Shopping-Ergebnisse und Video-Ergebnisse usw.
Auch dies ist jetzt keine Rake­ten­wis­sen­schaft, son­dern viel­mehr intel­li­gente Sta­tis­tik und Markt­for­schung. Und wenn Google schon so gut darin ist, den User­wil­len zu erken­nen, wie kön­nen sie dann so doof sein und eine Bran­dan­frage nicht von einer Key­wor­dan­frage zu unterscheiden?

Mei­ner Ansicht nach spricht Vie­les für eine ganz unspek­ta­ku­läre Bevor­zu­gung von klas­si­chen Key­word­do­mains als Sol­che. Doch warum überhaupt?

  • Die Klick­rate: Google demen­tiert dies ja meist nach wie vor, oder kom­men­tiert es zumin­dest nicht kon­kret, aber gerade meine Erfah­run­gen aus den Google Spe­zi­al­su­chen zei­gen, daß die Click-Through-Rate in den Such­er­geb­nis­sen auch aus­ge­wer­tet wird und (zumin­dest indi­rekt) in den Algo mit ein­fließt.
    Denn: Key­word­do­mains haben i. d. R. meist eine höhere Klick­rate im Ver­gleich zu Nicht-Keyworddomains. Die Gründe sind unter­schied­lich, Syntax-Highlighting spielt sicher­lich mit eine Rolle.
  • Die Knapp­heit: Wirk­li­che Top-Keyworddomains (unter den Top-TLDs) sind seit Jah­ren längst auf­ge­teilt bzw. regis­triert. Ent­spre­chend hoch sind die Preise. Wer also so viel Geld für eine Domain aus­gibt, der kann es sich gar nicht leis­ten dar­un­ter eine min­der­wer­tige Qua­li­tät abzu­lie­fern. Ein rein markt­wirt­schaft­li­ches Prin­zip also, das auch für Google Sinn machen würde, auch wenn man in Moun­tain View gerne den Sozi von Nebenan markiert.
  • Die Userer­war­tung: unter einer Key­word­do­main erwar­tet ein User ein­fach fun­dierte Infos genau zum gesuch­ten Thema. Auch für einen Website-Betreiber würde es wenig Sinn machen unter einer Reise-Domain Pols­ter­mö­bel zu ver­ti­cken. Sprich: der Name ist meist auch Pro­gramm. Wenn der Durch­schnitt­s­u­ser die­sen Stand­punkt ver­tritt, dann muss das auch Google tun.

Auch ein paar andere Punkte spre­chen gegen die Markentheorie:

  • Kul­tu­relle Anpas­sung: haupt­säch­lich beob­ach­tet wurde der Anstieg von .com-Domains. Nun ist es zwar so, daß ins­be­son­dere in Deutsch­land die .de-Endung his­to­risch gewach­sen ist, inzwi­schen aber eine deut­lich brei­tere Annahme von län­de­r­un­ab­hän­gi­gen Domains — ins­be­son­dere .com — als “ange­nom­men” betrach­tet wer­den kann. Es wäre also “nur” eine reine Anpas­sung an die Gewohn­hei­ten der User.
  • Der Zeit­raum: die von Domi­nik beschrie­be­nen Effekte tra­ten nach ca. 1 Jahr ab Pro­jek­tie­rung ein. Nun, diese erste Jahr ist genau das was ich häu­fig bei neuen Pro­jek­ten beob­ach­ten kann, viel­leicht ver­gleich­bar mit dem “Newbie-Bonus” — nur eben anders­rum ;) Von daher sind die Beob­ach­tun­gen viel­leicht auch nicht ganz repräsentativ.

Noch kurz viel­leicht ein Wort zur Dis­kus­sion über die Bindestrich-Domains:
Auch hier muss man viel­leicht auch ein­fach mal kurz über den eige­nen Tel­ler­rand schauen. In kaum einer Spra­che sind Bin­de­stri­che so häu­fig ver­tre­ten, wie in der Deut­schen, v. A. seit der Recht­schreib­re­form. Im Ame­ri­ka­ni­schen hin­ge­gen (die­ses komi­sche Land wo die Google-Entwickler und die meis­ten Inhouse-Linguisten sit­zen) steht häu­fig ein Leer­zei­chen zwi­schen ein­zel­nen Wör­tern, bei Domains hat sich häu­fig die zusam­men­ge­setzte Vari­ante durch­ge­setzt (US-Amerikaner ken­nen sowas z. B. auch von Tele­fon­num­mern die man sich über die Zif­fern­be­le­gung der Tas­ta­tur mer­ken kann — wie etwa fik­ti­ver­weise “2874375464” für “Bur­ger­King”, ein Schema das sich in Europa nie wirk­lich durch­ge­setzt hat).
Genau diese Gepflo­gen­hei­ten zwin­gen einen Such­ma­schi­nen­be­trei­ber natür­lich dazu, Ein­zel­wör­ter auch aus Zusam­men­schrei­bun­gen zu extra­hie­ren, was letzt­lich natür­lich auch die­sen Domains zugute kommt und mit Sicher­heit die Bindestrich-Domains eher weni­ger berück­sich­tigt. Es könnte letzt­lich also auch nur eine ver­bes­serte Wor­tex­tra­hie­rung sein, die sol­che Domains gleich­wer­ti­ger mit den Bindestrich-Domains (wo ja die Wort­er­ken­nung nicht allzu schwer sein dürfte) setzt.

Im Übri­gen hab ich mir mal test­hal­ber auch ein paar Keyword-Domains regis­triert (obwohl ich die eigent­lich als alter Wer­ber furcht­bar finde), und kann Ähnli­ches bestä­ti­gen. Nur an den Zusam­men­hang mit dem Brand­bo­nus, an den glaub ich nicht. Ich gehe von ganz stink­nor­ma­ler Anhe­bung von Key­word­do­mains im Gene­rel­len aus.

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{ 3 Kommentare… lies sie unten oder füge einen hinzu }

Stephan November 15, 2009 um 12:57

Die Bevorzugung von Keywortdomains gibt es doch schon seit ewigen Zeiten, genauso wie die Bevorzugung von Webseiten mit passendem Titel, mit passenden Überschriften und wass weiß ich noch wievielen anderen OnPage-Faktoren. Die Frage ist also, wie stark gewichtet Google einen Faktor wie zum Beispiel eine Keywortdomain.

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maers Juni 17, 2010 um 14:24

Danke für die vielen interessanten Tipps und Hinweise

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kralle Juni 17, 2010 um 16:30

Gerne Rusian Hansen von der Click by Click UG aus Flensburg.
Und Grüße an die Kollegen aus der Ukraine!

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