Warum Geografische Ziele in den Google Webmaster Tools für alle Seiten Sinn machen

von kralle am 2. November 2007

Die Mel­dung an sich ist ja schon ein paar Tage alt, und es wurde dar­über auch schon ander­wei­tig geb­loggt, von daher habe ich mir die reine News-Meldung gespart.

Aller­dings bin ich der Ansicht, daß die Mög­lich­keit eine Web­site geo­gra­fisch mög­lichst genau fest­zu­le­gen, oder auch die Mög­lich­keit diese nicht fest­zu­le­gen (!) weit­aus attrak­ti­ver sein kann, als auf den ers­ten Blick ersichtlich.

Regio­nale Aspekte wer­den Google ja bereits seit län­ge­rer Zeit berück­sich­tigt, und z. B. auch über Uni­ver­sal Search mit Google Maps immer stär­ker in den Such­er­geb­nis­sen berück­sich­tigt.
Um mög­lichst ziel­ge­rich­tete Ergeb­nisse aus­lie­fern zu kön­nen, sind zunächst zwei Vor­gänge unabdingbar:

  • Das geo­gra­fi­sche Tar­get­ting des aktu­ell suchen­den Users.
  • Die geo­gra­fi­sche Zuord­nung einer jeden Website.

Wel­che Mög­lich­kei­ten hat Google also um einen User, bzw. des­sen Such­in­ter­esse geo­gra­fisch ein­ord­nen zu können?

  • Zunächst bie­tet natür­lich die IP-Adresse des Users eine ein­fa­che und zugleich rela­tiv genaue regio­nale Zuordnungsmöglichkeit.
  • Ebenso wich­tig ist natür­lich die eigent­li­che Such­an­frage, ins­be­son­dere dann, wenn diese einen regio­na­len Bezug hat, wie bei­spiels­weise bei “Blu­men Ber­lin”.
  • Wei­tere Mög­lich­kei­ten sind die Sprach­ein­stel­lun­gen im Brow­ser, oder die Spra­che der Suchanfrage.

Diese Fak­to­ren sind bei den meis­ten Usern i. d. R. in sich kon­sis­tent, und erlau­ben von der User-Seite her schon eine rela­tiv ein­deu­tige Zuordnung.

Schwie­ri­ger gestal­tet sich dies beim Website-Targetting. Hier kom­men meh­rere Fak­to­ren ins Spiel, die nicht immer stim­mig sein müs­sen, und im schlimms­ten Fall eine fal­sche Zuord­nung provozieren:

  • Zunächst besitzt der Ser­ver auf dem die Web­site betrie­ben wird, natür­lich auch eine regio­nal zuor­den­bare IP-Adresse. Pro­bleme gibt’s natür­lich bereits dann, wenn der Ser­ver des Blu­men­händ­lers aus Ber­lin in Ham­burg oder Mün­chen sitzt. Der Ser­ver­stand­ort taugt alle­mal einer Län­der­zu­ord­nung, was aber wenn ein Wie­ner Blu­men­händ­ler einen Frank­fur­ter Ser­ver hat, oder noch schlim­mer ein Lon­do­ner seine Sei­ten in New York auf­spielt? Die Zuor­den­bar­keit würde sich also maxi­mal auf eine Sprach­li­che beschrän­ken, gleich­wohl natür­lich ein güns­ti­ger eng­lisch­spra­chi­ger Anbie­ter auch deut­sche Kun­den anlo­cken wird.
  • Dann gibt es natür­lich auch noch die Mög­lich­keit nach Domai­nen­dun­gen zuzu­ord­nen. Klar, eine de-Domain gehört mit einer rela­tiv hohen Wahr­schein­lich­keit zu einer deut­schen Web­site, was pas­siert aber mit einer .com, .net, .org usw.? Was ist mit exo­ti­schen Domai­nen­dun­gen, die auf­grund ihrer Ver­füg­bar­keit gerne auch regis­triert wer­den? Oder der ein­fa­chen Siche­rung des eige­nen Domain­na­mens unter ver­schie­de­nen TLDs für den Fall einer Expan­sion auf wei­tere Län­der und Spra­chen oder um Miß­brauch zu ver­hin­dern? Eine län­der­ab­hän­gige Domai­nen­dung taugt also maxi­mal als Indiz, das wei­tere Abhän­gig­kei­ten benötigt.
  • Wei­ter füh­ren Such­ma­schi­nen heut­zu­tage für jede Web­site eine Sprach­er­ken­nung durch, i. d. R. pas­siert dies über eine Tex­ter­ken­nung. Es exis­tie­ren hier­für auch HTTP-Header und Meta-Tags, es ist jedoch frag­lich, ob diese über­haupt berück­sich­tigt wer­den, zumal man im Web gerne mal auf feh­ler­haft defi­nierte Tags stößt. Es wird also der Text ana­ly­siert. Das Pro­blem liegt auf der Hand: Spra­chen sind — mit weni­gen Aus­nah­men — nicht regio­nal beschränkt, son­dern oft län­der­über­grei­fend, oder wie ins­be­son­dere Eng­lisch, nahezu welt­weit als Amts­spra­che ver­tre­ten. Auch Deutsch oder Fran­zö­sisch wird in vie­len wei­te­ren Län­dern gespro­chen. Zudem gibt es nach wie vor mehr­spra­chige Domains, was zwar auch aus ande­ren Grün­den weni­ger sinn­voll ist, aber nun­mal Fakt im Web ist. Anhand der Spra­che kann also keine sinn­volle regio­nale Zuord­nung voll­zo­gen werden.
  • Eine gute regio­nale Zuord­nungs­mög­lich­keit sind Adres­sen von und über Web­sites. Diese Adres­sen kön­nen Such­ma­schi­nen bei­spiels­weise aus Impres­sen aus­le­sen, über Ein­träge in Bran­chen­bü­chern, Google Maps usw. bezie­hen, auch Adress­da­ten bei den Domain­ver­wal­tern wie der DENIC könn­ten zumin­dest theo­re­tisch her­an­ge­zo­gen wer­den. Diese wären meist ein­deu­tig, Aus­nah­men gäbe es aber genauso, wie bei­spiels­weise natio­nale und inter­na­tio­nale Filia­lis­ten. Genauso kann sich ein Ange­bot an den kom­plet­ten deutsch­spra­chi­gen Raum rich­ten, jedoch eine Ber­li­ner Adresse haben. Nie­mand möchte mit “Online-Shop” nur von Ber­li­nern oder Münch­nern gefun­den wer­den, nur weil die Post­adresse dort liegt. Man könnte jedoch her­ge­hen und die­sen Aspekt zwar nicht all­ge­mein, aber durch­aus bei Such­an­fra­gen mit loka­lem Bezug wie im Bei­spiel “Blu­men Ber­lin” berück­sich­ti­gen. Was aber wenn der Blu­men­händ­ler zwar in Ber­lin sitzt, jedoch nur online vertreibt?
  • Ein wei­te­rer Punkt der viel­fach ange­nom­men wird, ist die Her­kunft der Links, also wie­derum die regio­nale Zuord­nung der link­ge­ben­den Sites. Aber hier stellt sich das alt­be­kannte Pro­blem “was war zuerst — Huhn oder Ei”? Und was wenn der Ber­li­ner Blu­men­händ­ler ursprüng­lich aus Grie­chen­land kommt, und seine alten grie­chi­schen Freunde ihn alle aus ihren grie­chi­schen Blogs her­aus ver­lin­ken? Oder er von flo­ris­ti­schen Blogs aus Ham­burg und Dres­den ver­linkt wird? Auch hier taugt allen­falls die Sprach­er­ken­nung der link­ge­ben­den Sites, ins­be­son­dere die Linktexte. Wobei schon hier im Blog gerne auch eng­lisch­spra­chige Blogs ver­linkt wer­den, die wohl auch nicht unbe­dingt nur in der deutsch­spra­chi­gen Suche berück­sich­tigt wer­den wollen.
  • Am Sinn­volls­ten wäre eigent­lich die Besu­cher der Web­sites selbst zu tra­cken, denn hier kann — wie bereits oben erwähnt — die Zuord­nung immer noch am Zuver­läs­sigs­ten erfol­gen. In Frage kämen natür­lich v. A. die Daten aus Ana­lytics, AdSense und AdWords, vor­aus­ge­setzt natür­lich, daß min­des­tens eine der Maß­nah­men vom Betrei­ber auch ein­ge­setzt wird.
  • Es gibt natür­lich auch noch andere theo­re­ti­sche Mög­lich­kei­ten, wie z. B. Geo-Meta-Tags, die aber
    1. kaum bekannt und ver­brei­tet und
    2. nach mei­nen Erfah­run­gen bis­lang nicht berück­sich­tigt werden.

Ins­ge­samt gestal­tet es sich in eini­gen Fäl­len also äußerst schwie­rig, Web­si­ten auch regio­nal zuord­nen zu kön­nen, bzw. v. A. auch zu prü­fen ob eine regio­nale Zuord­nung über­haupt sinn­voll ist, oder ob sich das Ange­bot an ein gan­zes Land oder an eine ganz bestimmte Ziel­spra­che rich­tet. Letzt­lich müss­ten dazu die Inhalte der Sei­ten selbst ver­stan­den wer­den kön­nen, wovon Such­ma­schi­nen noch weit ent­fernt sind.

Was liegt also näher, als dem Betrei­ber selbst die Mög­lich­keit zu geben, den Such­ma­schi­nen (in die­sem Falle also Google) genaue Infor­ma­tio­nen über die eigene Regio­na­li­tät zu geben.

Der Filial-Blumenhändler in Ber­lin kann also genau sagen, daß sich sein Ange­bot haupt­säch­lich an eine regio­nale Ziel­gruppe rich­tet, der Online-Blumenhändler in Ber­lin kann ver­hin­dern, nur bei Such­an­fra­gen mit Berlin-Bezug berück­sich­tigt zu wer­den. Ich denke ins­be­son­dere Letz­te­res wurde bis­lang kaum öffent­lich durch­dacht, ist aber durch­aus ein wich­ti­ger Fak­tor. Denn ich möchte am Ende des Tages nicht das Pro­blem haben, auf­grund mei­nes Impress­ums, ein paar Bran­chen­buch­ein­trä­gen (was ja den­noch manch­mal Sinn machen kann, auch ohne ori­gi­när regio­na­lem Bezug), den “fal­schen” Links, einer frem­den Domai­nen­dung oder einem aus­län­di­schen Hos­ter, nicht mehr bei den für mich eigent­lich wich­ti­gen Such­an­fra­gen berück­sich­tigt zu werden.

In den Web­mas­ter Tools unter­schei­det Google — wie Jojo auch bereits fest­stellte — zwi­schen län­der­ab­hän­gi­gen Domains und län­de­r­un­ab­hän­gi­gen Domains.

Län­de­r­un­ab­hän­gige Domains (wie .com, .net, .org usw.) bekom­men die fol­gen­den Ein­stel­lungs­mög­lich­kei­ten für eine geo­gra­fi­sche Zuordnung:

Länderunabhängige Geografische Ziele

Bei den län­der­ab­hän­gi­gen Domains (wie z. B. .de, .at oder .ch) bekommt man die fol­gende Maske zu Gesicht:

Länderabhängige Geografische Ziele

Die Option für “Land/Region” wurde hier aus­ge­blen­det. In bei­den Fäl­len kön­nen die Fel­der “Anschrift”, “Stadt/Ort”, “Bun­des­land” (wohl v. A. für USA inter­es­sant) und die “Post­leit­zahl” aus­ge­füllt wer­den.
Wie ich aller­dings bei einer Domain mit exo­ti­scher Län­de­ren­dung fest­stel­len konnte, betrifft dies offen­bar nicht alle län­der­spe­zi­fi­schen Domai­nen­dun­gen, Google hat also wohl schon erkannt, daß man hier dif­fe­ren­zie­ren muss. Ich per­sön­lich finde es auch nicht gut, daß ich bei einer de-Domain bei­spiels­weise nicht die freie Wahl einer Län­der­zu­ord­nung habe. Wenn man schon eine sol­che Mög­lich­keit anbie­tet, sollte man diese nicht beschnei­den wenn es nicht unbe­dingt not­wen­dig ist.

Ich halte es für ein abso­lu­tes Muss, Google diese Infor­ma­tio­nen zu lie­fern, auch — und gerade dann — wenn das eigene Ange­bot über­re­gio­nal ist, um zu ver­hin­dern nicht fälsch­li­cher­weise zuge­ord­net zu wer­den. Eigent­lich noch sinn­vol­ler wie die Option der “Bevor­zug­ten Domain”, die ja durch tech­ni­sche Mög­lich­keite wie die einer “Stan­dard­do­main” bereits schon vor­her ein­deu­tig fest­ge­legt wer­den konn­ten. Aller­dings — und das ist hier die Crux — lie­fert Google keine wirk­lich ein­deu­ti­gen Infor­ma­tio­nen, ob eine ein­deu­tige Nicht­an­gabe gleich­zei­tig auch eine Nicht­re­gio­nale Zuord­nung bedeu­tet. Logisch wäre es jeden­falls.
Ebenso regio­nale Anbie­ter soll­ten nicht dar­auf ver­zich­ten, schließ­lich muss man hier nicht dar­auf hof­fen, daß Google die regio­nale Zuord­nung auto­ma­tisch erkennt, son­dern kann gezielt dar­auf hin­wir­ken. Gut mög­lich daß im Zuge der Uni­ver­sal Search diese Infor­ma­tio­nen auch in Google Maps inte­griert wer­den. Würde jeden­falls Sinn machen.

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  • web­mas­ter tools geo­gra­fi­sches ziel
  • ip adresse regio­nale zuordnung

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missfits November 3, 2007 um 03:14

> Ich halte es für ein absolutes Muss, Google diese
> Informationen zu liefern, auch – und gerade dann – wenn das
> eigene Angebot überregional ist, um zu verhindern nicht
> fälschlicherweise zugeordnet zu werden.

Damit bin ich einigermaßen zögerlich. Hast Du Quellen?

Antworten

kralle November 3, 2007 um 14:33

Nun, Google äußert sich zwar nicht absolut eindeutig in diese Richtung, im “Official Google Webmaster Central Blog” heißt es dazu aber:

Or let us know if your site isn’t relevant to any particular geographic location at all.

und weiter

If no information is entered in Webmaster Tools, we’ll continue to make geographic associations largely based on the top-level domain (e.g. .co.uk or .ca) and the IP of the webserver from which the context was served.

Das verstehe ich durchaus so, daß man Google auch ausdrücklich sagen kann, daß keine regionale Zuordnung für das Angebot relevant ist, und Google bei gar keiner Angabe in den Webmaster Tools weiterhin auf automatische Erkennungsmechanismen setzt. Und eben diese können manchmal auch unerwünschte Auswirkungen haben.

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Paul April 27, 2008 um 18:33

“Allerdings – und das ist hier die Crux – liefert Google keine wirklich eindeutigen Informationen, ob eine eindeutige Nichtangabe gleichzeitig auch eine Nichtregionale Zuordnung bedeutet. Logisch wäre es jedenfalls.”

Genau das ist der Fall. Websiten ohne regional Zugehörigkeit werden in Google.com geführt (nicht Angabe gibt hier PLUS). In die regionalen Google OHNE die Angabe zu kommen ist fast unmöglich; außer bei “unwichtigen” Suchbegriffen…

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