Warum Geografische Ziele in den Google Webmaster Tools für alle Seiten Sinn machen
Die Meldung an sich ist ja schon ein paar Tage alt, und es wurde darüber auch schon anderweitig gebloggt, von daher habe ich mir die reine News-Meldung gespart.
Allerdings bin ich der Ansicht, daß die Möglichkeit eine Website geografisch möglichst genau festzulegen, oder auch die Möglichkeit diese nicht festzulegen (!) weitaus attraktiver sein kann, als auf den ersten Blick ersichtlich.
Regionale Aspekte werden Google ja bereits seit längerer Zeit berücksichtigt, und z. B. auch über Universal Search mit Google Maps immer stärker in den Suchergebnissen berücksichtigt.
Um möglichst zielgerichtete Ergebnisse ausliefern zu können, sind zunächst zwei Vorgänge unabdingbar:
- Das geografische Targetting des aktuell suchenden Users.
- Die geografische Zuordnung einer jeden Website.
Welche Möglichkeiten hat Google also um einen User, bzw. dessen Suchinteresse geografisch einordnen zu können?
- Zunächst bietet natürlich die IP-Adresse des Users eine einfache und zugleich relativ genaue regionale Zuordnungsmöglichkeit.
- Ebenso wichtig ist natürlich die eigentliche Suchanfrage, insbesondere dann, wenn diese einen regionalen Bezug hat, wie beispielsweise bei “Blumen Berlin”.
- Weitere Möglichkeiten sind die Spracheinstellungen im Browser, oder die Sprache der Suchanfrage.
Diese Faktoren sind bei den meisten Usern i. d. R. in sich konsistent, und erlauben von der User-Seite her schon eine relativ eindeutige Zuordnung.
Schwieriger gestaltet sich dies beim Website-Targetting. Hier kommen mehrere Faktoren ins Spiel, die nicht immer stimmig sein müssen, und im schlimmsten Fall eine falsche Zuordnung provozieren:
- Zunächst besitzt der Server auf dem die Website betrieben wird, natürlich auch eine regional zuordenbare IP-Adresse. Probleme gibt’s natürlich bereits dann, wenn der Server des Blumenhändlers aus Berlin in Hamburg oder München sitzt. Der Serverstandort taugt allemal einer Länderzuordnung, was aber wenn ein Wiener Blumenhändler einen Frankfurter Server hat, oder noch schlimmer ein Londoner seine Seiten in New York aufspielt? Die Zuordenbarkeit würde sich also maximal auf eine Sprachliche beschränken, gleichwohl natürlich ein günstiger englischsprachiger Anbieter auch deutsche Kunden anlocken wird.
- Dann gibt es natürlich auch noch die Möglichkeit nach Domainendungen zuzuordnen. Klar, eine de-Domain gehört mit einer relativ hohen Wahrscheinlichkeit zu einer deutschen Website, was passiert aber mit einer .com, .net, .org usw.? Was ist mit exotischen Domainendungen, die aufgrund ihrer Verfügbarkeit gerne auch registriert werden? Oder der einfachen Sicherung des eigenen Domainnamens unter verschiedenen TLDs für den Fall einer Expansion auf weitere Länder und Sprachen oder um Mißbrauch zu verhindern? Eine länderabhängige Domainendung taugt also maximal als Indiz, das weitere Abhängigkeiten benötigt.
- Weiter führen Suchmaschinen heutzutage für jede Website eine Spracherkennung durch, i. d. R. passiert dies über eine Texterkennung. Es existieren hierfür auch HTTP-Header und Meta-Tags, es ist jedoch fraglich, ob diese überhaupt berücksichtigt werden, zumal man im Web gerne mal auf fehlerhaft definierte Tags stößt. Es wird also der Text analysiert. Das Problem liegt auf der Hand: Sprachen sind — mit wenigen Ausnahmen — nicht regional beschränkt, sondern oft länderübergreifend, oder wie insbesondere Englisch, nahezu weltweit als Amtssprache vertreten. Auch Deutsch oder Französisch wird in vielen weiteren Ländern gesprochen. Zudem gibt es nach wie vor mehrsprachige Domains, was zwar auch aus anderen Gründen weniger sinnvoll ist, aber nunmal Fakt im Web ist. Anhand der Sprache kann also keine sinnvolle regionale Zuordnung vollzogen werden.
- Eine gute regionale Zuordnungsmöglichkeit sind Adressen von und über Websites. Diese Adressen können Suchmaschinen beispielsweise aus Impressen auslesen, über Einträge in Branchenbüchern, Google Maps usw. beziehen, auch Adressdaten bei den Domainverwaltern wie der DENIC könnten zumindest theoretisch herangezogen werden. Diese wären meist eindeutig, Ausnahmen gäbe es aber genauso, wie beispielsweise nationale und internationale Filialisten. Genauso kann sich ein Angebot an den kompletten deutschsprachigen Raum richten, jedoch eine Berliner Adresse haben. Niemand möchte mit “Online-Shop” nur von Berlinern oder Münchnern gefunden werden, nur weil die Postadresse dort liegt. Man könnte jedoch hergehen und diesen Aspekt zwar nicht allgemein, aber durchaus bei Suchanfragen mit lokalem Bezug wie im Beispiel “Blumen Berlin” berücksichtigen. Was aber wenn der Blumenhändler zwar in Berlin sitzt, jedoch nur online vertreibt?
- Ein weiterer Punkt der vielfach angenommen wird, ist die Herkunft der Links, also wiederum die regionale Zuordnung der linkgebenden Sites. Aber hier stellt sich das altbekannte Problem “was war zuerst — Huhn oder Ei”? Und was wenn der Berliner Blumenhändler ursprünglich aus Griechenland kommt, und seine alten griechischen Freunde ihn alle aus ihren griechischen Blogs heraus verlinken? Oder er von floristischen Blogs aus Hamburg und Dresden verlinkt wird? Auch hier taugt allenfalls die Spracherkennung der linkgebenden Sites, insbesondere die Linktexte. Wobei schon hier im Blog gerne auch englischsprachige Blogs verlinkt werden, die wohl auch nicht unbedingt nur in der deutschsprachigen Suche berücksichtigt werden wollen.
- Am Sinnvollsten wäre eigentlich die Besucher der Websites selbst zu tracken, denn hier kann — wie bereits oben erwähnt — die Zuordnung immer noch am Zuverlässigsten erfolgen. In Frage kämen natürlich v. A. die Daten aus Analytics, AdSense und AdWords, vorausgesetzt natürlich, daß mindestens eine der Maßnahmen vom Betreiber auch eingesetzt wird.
- Es gibt natürlich auch noch andere theoretische Möglichkeiten, wie z. B. Geo-Meta-Tags, die aber
- kaum bekannt und verbreitet und
- nach meinen Erfahrungen bislang nicht berücksichtigt werden.
Insgesamt gestaltet es sich in einigen Fällen also äußerst schwierig, Websiten auch regional zuordnen zu können, bzw. v. A. auch zu prüfen ob eine regionale Zuordnung überhaupt sinnvoll ist, oder ob sich das Angebot an ein ganzes Land oder an eine ganz bestimmte Zielsprache richtet. Letztlich müssten dazu die Inhalte der Seiten selbst verstanden werden können, wovon Suchmaschinen noch weit entfernt sind.
Was liegt also näher, als dem Betreiber selbst die Möglichkeit zu geben, den Suchmaschinen (in diesem Falle also Google) genaue Informationen über die eigene Regionalität zu geben.
Der Filial-Blumenhändler in Berlin kann also genau sagen, daß sich sein Angebot hauptsächlich an eine regionale Zielgruppe richtet, der Online-Blumenhändler in Berlin kann verhindern, nur bei Suchanfragen mit Berlin-Bezug berücksichtigt zu werden. Ich denke insbesondere Letzteres wurde bislang kaum öffentlich durchdacht, ist aber durchaus ein wichtiger Faktor. Denn ich möchte am Ende des Tages nicht das Problem haben, aufgrund meines Impressums, ein paar Branchenbucheinträgen (was ja dennoch manchmal Sinn machen kann, auch ohne originär regionalem Bezug), den “falschen” Links, einer fremden Domainendung oder einem ausländischen Hoster, nicht mehr bei den für mich eigentlich wichtigen Suchanfragen berücksichtigt zu werden.
In den Webmaster Tools unterscheidet Google — wie Jojo auch bereits feststellte — zwischen länderabhängigen Domains und länderunabhängigen Domains.
Länderunabhängige Domains (wie .com, .net, .org usw.) bekommen die folgenden Einstellungsmöglichkeiten für eine geografische Zuordnung:
Bei den länderabhängigen Domains (wie z. B. .de, .at oder .ch) bekommt man die folgende Maske zu Gesicht:
Die Option für “Land/Region” wurde hier ausgeblendet. In beiden Fällen können die Felder “Anschrift”, “Stadt/Ort”, “Bundesland” (wohl v. A. für USA interessant) und die “Postleitzahl” ausgefüllt werden.
Wie ich allerdings bei einer Domain mit exotischer Länderendung feststellen konnte, betrifft dies offenbar nicht alle länderspezifischen Domainendungen, Google hat also wohl schon erkannt, daß man hier differenzieren muss. Ich persönlich finde es auch nicht gut, daß ich bei einer de-Domain beispielsweise nicht die freie Wahl einer Länderzuordnung habe. Wenn man schon eine solche Möglichkeit anbietet, sollte man diese nicht beschneiden wenn es nicht unbedingt notwendig ist.
Ich halte es für ein absolutes Muss, Google diese Informationen zu liefern, auch — und gerade dann — wenn das eigene Angebot überregional ist, um zu verhindern nicht fälschlicherweise zugeordnet zu werden. Eigentlich noch sinnvoller wie die Option der “Bevorzugten Domain”, die ja durch technische Möglichkeite wie die einer “Standarddomain” bereits schon vorher eindeutig festgelegt werden konnten. Allerdings — und das ist hier die Crux — liefert Google keine wirklich eindeutigen Informationen, ob eine eindeutige Nichtangabe gleichzeitig auch eine Nichtregionale Zuordnung bedeutet. Logisch wäre es jedenfalls.
Ebenso regionale Anbieter sollten nicht darauf verzichten, schließlich muss man hier nicht darauf hoffen, daß Google die regionale Zuordnung automatisch erkennt, sondern kann gezielt darauf hinwirken. Gut möglich daß im Zuge der Universal Search diese Informationen auch in Google Maps integriert werden. Würde jedenfalls Sinn machen.
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5 Kommentare
1.
missfits schrieb am 03. November 2007 um 03:14
> Ich halte es für ein absolutes Muss, Google diese
> Informationen zu liefern, auch — und gerade dann — wenn das
> eigene Angebot überregional ist, um zu verhindern nicht
> fälschlicherweise zugeordnet zu werden.
Damit bin ich einigermaßen zögerlich. Hast Du Quellen?
2.
kralle schrieb am 03. November 2007 um 14:33
Nun, Google äußert sich zwar nicht absolut eindeutig in diese Richtung, im “Official Google Webmaster Central Blog” heißt es dazu aber:
und weiter
Das verstehe ich durchaus so, daß man Google auch ausdrücklich sagen kann, daß keine regionale Zuordnung für das Angebot relevant ist, und Google bei gar keiner Angabe in den Webmaster Tools weiterhin auf automatische Erkennungsmechanismen setzt. Und eben diese können manchmal auch unerwünschte Auswirkungen haben.
3.
24/7 - Der Wochenrückblick (KW 44/07) » Allgemein » sumaphil.de schrieb am 06. November 2007 um 00:04
[…] Und ermöglicht es von nun an in den Webmaster Tools, eine Website geografisch zu kategorisieren. […]
4.
24/7 - Der Wochenrückblick (KW 05/08) » Allgemein » sumaphil.de schrieb am 18. Februar 2008 um 02:34
[…] bietet ja seit ein paar Woche für seine Website ein Geografisches Ziel festzulegen, offenbar scheinen diese nun auch endlich im Algo berücksichtigt zu […]
5.
Paul schrieb am 27. April 2008 um 18:33
“Allerdings — und das ist hier die Crux — liefert Google keine wirklich eindeutigen Informationen, ob eine eindeutige Nichtangabe gleichzeitig auch eine Nichtregionale Zuordnung bedeutet. Logisch wäre es jedenfalls.”
Genau das ist der Fall. Websiten ohne regional Zugehörigkeit werden in Google.com geführt (nicht Angabe gibt hier PLUS). In die regionalen Google OHNE die Angabe zu kommen ist fast unmöglich; außer bei “unwichtigen” Suchbegriffen…